FondsDie Mini-Payback-Show

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Nicolas Schmidlin studierte Wirtschaft in Frankfurt und zog fürs Masterstudium nach London. Verträge, Prospekte und Regulierung sind seine Haupttätigkeit
Nicolas Schmidlin studierte Wirtschaft in Frankfurt und zog fürs Masterstudium nach London. Verträge, Prospekte und Regulierung sind seine Haupttätigkeit
© Markus Burke

Profitjagd im Pulli

Die Coups der Newcomer sprechen sich herum, ihre Investorenbriefe werden bald in einschlägigen Zirkeln herumgereicht, als enthielten sie eine Anleitung zum Gelddrucken. Eine namhafte deutsche Fondsboutique lässt sich bei ihrer Anlagepolitik schon 2012 von Profitlich und Schmidlin beraten. Ende 2013 gründen beide schließlich ihre eigene Firma, an der sich unter anderem Flossbach von Storch beteiligt – ein Ritterschlag. „Wir schätzen die Art, wie sich die beiden der Kapitalmarktanalyse nähern“, sagt Bert Flossbach, „immer bereit, Strukturen zu hinterfragen und sich nicht auf das Urteil anderer zu verlassen.“

Marc Profitlich bittet aus seinem Büro hinaus auf die Straße, dann steuert er das ­gegenüberliegende Café Waidmeister an. Er ist fast zwei Meter groß, trägt eine verwaschene Jeans, einen Wollpulli und die Haare kurz geraspelt. Auf den ersten Blick ähnelt er den Fintech-Gründern, die der eta­blierten Geldbranche momentan das Fürchten lehren – doch dieser Eindruck täuscht. Das lässige Outfit ist bei Profitlich, anders als bei den Fintech-Jungs, kein Statement, sondern nur der Bequemlichkeit geschuldet, „wenn man den ganzen Tag im Büro vor dem Rechner sitzt“. Selbstverständlich, sagt er, trage er bei Investorenterminen einen Anzug.

Schmidlin und er wollen nicht zwingend anders sein als andere Fondsmanager. Sondern nur besser. Aber sind sie das?

132 Prozent Profit

Die 132 Prozent Profit ihres Investmentclubs sind nicht nur beeindruckend, sie sind spektakulär. Zwar gewann der Dax im selben Zeitraum 110 Prozent. Doch einen großen Teil ihrer Performance erzielten Profitlich und Schmidlin nicht mit dem Markt, sondern unabhängig von ihm – was das Ergebnis aufwertet.

Die Schwankungen waren zudem gering, die Volatilität betrug gerade einmal 7,4 Prozent. Im Horrormonat August 2011 zum Beispiel, als der Dax um 19 Prozent einbrach, verlor der Investmentclub gerade einmal 3,5 Prozent. Trotzdem bleibt die ­Frage, ob sich Coups wie der bei der BayernLB wiederholen lassen. Ob Profitlich und Schmidlin also in der Lage sind, neue Nischen ­aufzuspüren. 

Per Ende März 2015, also knapp 15 Monate nach seiner Auflage, notiert der ProfitlichSchmidlin Fonds UI mit 11,6 Prozent im Plus. Das ist nicht schlecht, aber auch nicht überragend. Die beiden Wunderkinder wissen inzwischen, wie sich Niederlagen anfühlen.

Fehler und Rückschläge

März 2014. In der Finanzbranche kocht erstmals der Verdacht hoch, die Anleihen der österreichischen Krisenbank Hypo Group Alpe Adria könnten ausfallen. Viele Investoren reagieren panisch und werfen die Papiere auf den Markt, Profitlich und Schmidlin nutzen den Kursverfall zum Einstieg. Sie wissen schließlich nicht bloß, was jeder weiß: dass es nämlich eine Staatsgarantie für die Anleihen gibt. Sondern auch – so heißt es selbstbewusst im Investorenbrief –, dass „einige Anleihen nach deutschem Recht aufgelegt wurden“, wodurch „eine unilaterale Änderung der Zahlungsbedingungen ausgeschlossen“ sei.

Rechtlich liegt das Duo damit zweifellos richtig. Politisch ist es eine grandiose Fehleinschätzung. Im März 2015 verkündet die österreichische Regierung, die Anleihen vorerst nicht mehr zu bedienen. Ein Haircut von rund 50 Prozent scheint wahrscheinlich. „In diesem Fall haben wir das politische Risiko nicht ausreichend berücksichtigt“, schreiben Profitlich und Schmidlin kleinlaut ihren Investoren, ein Verlust sei „realisiert worden“. Es war nicht der einzige Rückschlag. Auch griechische Staatspapiere belasteten trotz aller Gläubigerklauseln das Ergebnis.