FondsDie Mini-Payback-Show

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Marc Profitlich studierte Wirtschaftsrecht und machte danach einen Management-Master. Sein Job ist es, die passenden Wertpapiere für den Fonds aufzuspüren
Marc Profitlich studierte Wirtschaftsrecht und machte danach einen Management-Master. Sein Job ist es, die passenden Wertpapiere für den Fonds aufzuspüren
© Markus Burke

Eine Internetbekanntschaft

Nun ist die Zahl der Investoren höchst überschaubar, denen es gelingt, den Markt mit der Picking-Strategie dauerhaft zu schlagen. Warum soll das ausgerechnet zwei Twens gelingen, von denen einer in seiner Kölner Kammer sitzt und der andere zwischen zwei noch kleineren Büros in Frankfurt und London hin- und herpendelt?

Profitlich stammt aus einem kleinen Ort bei Köln, Schmidlin wuchs in einem Dorf im Schwarzwald auf. Sie kennen einander, seit sie 17 waren, ihre Wege kreuzten sich damals in einem Finanzforum im Internet. „Wer sich als Teenager für die Analyse von Firmenkennzahlen interessiert, findet im örtlichen Fußballclub oder in der Schule eher keine Gleichgesinnten“, sagt Profitlich.

Parallel zum Wirtschaftsstudium beginnen die beiden, Wertpapier­analysen zu verfassen, 2009 starten sie ihren Investmentclub. Die ersten Anleger: sie selbst mit je 2 000 Euro, daneben die Eltern, ein paar andere Verwandte und Bekannte – ­sowie ein Manager von Flossbach von Storch, einem der größten unabhängigen deutschen Vermögensverwalter. Er kennt Profitlich von einem Praktikum, macht eher aus Neugier denn aus Profitstreben mit. Und sieht dann, wie die paar Tausend Euro, die er beigesteuert hat, sich zu vermehren beginnen.

Anlage in Zinspapiere

So einen Investmentclub, sagt Profitlich, dürfe man nicht mit einem Börsenspiel verwechseln. „Auch wenn es damals insgesamt nur um eine bescheidene sechsstellige Summe ging, war es keine Simulation. Es war echtes Geld, und zwar überwiegend fremdes Geld.“

Sie fühlen sich damals gleich wie richtige Vermögensverwalter, auch wenn sie erst Anfang 20 sind, beginnen mit dem Versand eines vierteljährlichen Investorenbriefs, in dem sie ihren Kunden ihre neuesten Anlage­entscheidungen erläutern. Es geht in diesen Briefen allerdings nicht um Aktien von Daimler, Deutscher Bank oder BASF, sondern meist um ziemlich abseitige Invest­ments, zum Beispiel um Genussscheine der alten Württembergischen Hypothekenbank.

Gern legt der Profitlich-­Schmid­lin’sche Investmentclub in Zinspapieren an, die weit unter Nennwert notieren. Häufig handelt es sich um Nachranganleihen angeschlagener Banken – die nach Ansicht des Duos gar nicht so nachrangig sind. Oder auch mal um ausfallgefährdete griechische Staatsanleihen – die nach Ansicht von Profitlich und Schmidlin gar nicht so ausfallgefährdet sind.

Das Kleingedruckte entscheidet

Die abweichende Meinung speist sich aus dem Kleingedruckten der Verkaufsprospekte. „Zwei Anleihen ein und desselben Emittenten können völlig unterschiedliche Zahlungsbedingungen aufweisen“, sagt Profitlich. Gerade die Klauseln zum Gläubigerschutz unterschieden sich häufig. Im Krisenfall habe das maßgeblichen Einfluss auf die Frage, in welcher Form die Anleihe restrukturiert werden könne.

Nicht nur bei der hybriden Capital-­Trust-Anleihe der BayernLB geht die Strategie der beiden Jung­spunde auf. Sondern auch in einem halben Dutzend ähnlich gearteter Fälle. Selbst beim griechischen Schuldenschnitt 2012 erweist sich das Kalkül des Duos als richtig. Gezielt hat es in jene wenigen Athener Anleihen investiert, die nach ausländischem Recht emittiert worden waren und deshalb vom sogenannten Haircut ausgenommen sind.