GastbeitragDie Methode Trump

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Keine  Kompromisse

Gerade in den letzten Wochen und auch wieder ganz aktuell im politischen Tagesgeschehen erinnerte ich mich an dieses Gespräch. Und mir wurde klar, dass dieses Muster auch heute in seinem politischen Handeln in fast allen Themenfeldern zu erkennen ist: Strafzölle und Handelsbeschränkungen mit China, Streit mit der EU über Handelsbilanzen, Angriffe auf Deutschland wegen unserer Rüstungsausgaben, unseren Prestigebranchen, unseren Beziehungen zu Russland im Zusammenhang mit unserer Energieversorgung. Dabei weiß er mitunter mehrmals in nur einer Woche seine internationalen Gesprächspartner zu diskreditieren, um ihnen anschließend größten Respekt zu zollen. Man erinnere sich beispielsweise an seine Tweets über den nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un. Erst ein „Rocket man“, der später dann nach seinem Treffen und weichen Zusagen zum „Ehrenmann“ avancierte. So greift er dieser Tage Angela Merkel im Grundsätzlichen und Theresa May für ihre Brexit-Strategie im Speziellen an.


Ich denke vielen Menschen kommt der amerikanische Präsident dabei immer unberechenbarer und sprunghafter vor. Dabei folgt Trump doch im Prinzip immer wieder dem gleichen Muster. Er stellt Maximalforderung. Er will immer den guten Deal für sich suchen. Er will Geschäfte machen und sichtbar als Gewinner aus den Verhandlungen gehen. Kompromisse oder seriöses, weltmännisches Auftreten gehören dabei nicht zu seinen Stärken. Schon deshalb, weil sie nicht Teil seiner Strategie sein können.

Ja, es wird zu Handelsstreitigkeiten kommen. Klagen der EU und China vor der Welthandelsorganisation gestalten sich langwierig. Sollte es überhaupt zu Ergebnissen kommen, werden diese wirksam sein, weil zwischenzeitlich längst harte Fakten geschaffen wurden. Handelskriege haben keine Gewinner, so mag Trump kalkulieren, aber vielleicht verliert die USA weniger.

Der amerikanische Präsident setzt mit seiner Masche der Maximal-Positionen seine Partner unter enormen Druck. Er lässt Listen mit hunderten von Produkten verteilen, die er mit zehnprozentigen Zöllen belegen will, wie im Fall Chinas. Und er droht sogar mit dem Nato-Austritt, wenn die Mitglieder, allen voran Deutschland, nicht ihre Rüstungsausgaben erhöhen und zwar sofort. Trump droht auf dem Nebengleis mit Einfuhrzöllen auf deutsche Autos, die ihm auf den Straßen der USA längst ein Dorn im Auge sind.

Wer nun entlang der Twitter-Aktivitäten des Präsidenten attestiert, dieser wäre nicht berechenbar, der irrt. Wie bei seinen Bauvorhaben wird er seine „politischen Rabatte“ bekommen und auch viele seiner Ziele durchsetzen können. Doch am Ende muss Trump einen hohen Preis zahlen, denn langfristig wird der US-Präsident viele gewachsene wie auch neuere Beziehungen politischer und wirtschaftlicher Art zerstören. Wie bei seinen Bauaktivitäten wird jemand, der einmal mit ihm gebaut hat, nicht noch einmal mit ihm bauen wollen.


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