FinanzevolutionDie Konkurrenz für den Bankkredit wird größer

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Kreditfonds sind nicht so strikt reguliert

Kreditfonds werden zwar auch beaufsichtigt, dürfen aber Kredite ohne Banklizenz vergeben und müssen sie auch nicht mit Eigenkapital unterlegen. Das ist nachvollziehbar, weil die Fonds zu nahezu 100 Prozent mit dem Kapital  institutioneller Investoren gefüllt werden, etwa durch Pensionskassen, Versicherungen oder finanzstarken Family Offices. Die mögen diese Anlageform, weil sie im Gegensatz zu Beteiligungen beispielsweise über Private Equity bei den Kreditfonds gleichmäßige Ausschüttungen in Form von Zins und Tilgung erhalten.

Aber auch wenn die Kreditfonds nicht der strikten Bankenregulierung unterliegen, heißt das nicht, dass sie weniger genau hinschauen. Auch bei Ihnen geht es darum, die Risiken adäquat einschätzen und bepreisen zu können. Allerdings sind sie hier flexibler und haben mehr Risikoappetit. Sie sind also bereit bei angemessener Verzinsung auch höhere Risiken zu übernehmen als Kreditinstitute, die sich mit den verschärften Eigenkapitalregeln nach Basel III in der Kreditvergabe eingeengt sehen. Und sie sollen rascher und unbürokratischer entscheiden, sichern sich aber über Kreditklauseln (im Fachjargon Covenants genannt) Mitspracherechte, wenn sich Firmenkennzahlen negativ entwickeln.

Das „Handelsblatt“ sieht bereits den „Aufstieg des alternativen Kapitals“ und warnt die Banken vor den neuen Wettbewerbern. Weltweit haben Kreditfonds seit 2011 etwa 600 Mrd. Dollar eingesammelt. Bis 2020 wird ein Volumen von 1 Billion Dollar erwartet. Laut der Wirtschaftszeitung sind derzeit in Deutschland 47 Kreditfonds aktiv. Sie suchen sich die Kreditnehmer gezielt aus und sorgen etwa in Partnerschaft mit Private Equity Gesellschaften für die Fremdfinanzierung. Dabei arbeiten sie auch mit Banken zusammen, wie der Chef der Kreditberatung der Investmentbank Lincoln, Dominik Spanier, in einem Gespräch mit dem Handelsblatt erläutert. Weil Kreditfonds im Gegensatz zu Banken mehr Risiko tragen, können sich die Finanzierungen gut ergänzen.

Crowdfunding auf Speed

Banken geraten derzeit also von mehreren Seiten unter Druck. Im kleinteiligen und höher standardisierten Geschäft für Privatkunden und kleinere Unternehmen greifen (in Deutschland bisher allerdings mit mäßigem Erfolg) die Fintechs mit alternativen Angeboten an. Im gehobenen und komplexeren Geschäft mit den Firmenkunden sind es die Kreditfonds, das Geschäft mit Schuldscheinen und die Finanzierung der Unternehmen untereinander, die Unternehmen deutlich unabhängiger von der klassischen Kreditfinanzierung machen.

Daneben formieren sich mit den Crowdfundings auf Speed, also den Initial Coin Offerings ( = ICO) ein ganz neues Verfahren der Unternehmensfinanzierung. Im vergangenen Jahr haben Unternehmen über ICOs weltweit 4,8 Mrd. US-Dollar zusätzlicher Mittel eingesammelt. Die ersten Statistiken für 2018 deuten darauf hin, dass das Wachstum ungebrochen weitergeht. Das ist angesichts der noch jungen Technologie zwar beachtlich, im Vergleich mit dem globalen Finanzierungsvolumen ist das ICO-Volumen aber noch verschwindend gering. Daneben sind bislang viele Fragen im Zusammenhang mit ICOs – vor allem die Fragen rund um Cybersecurity und die regulatorische Einordnung – noch zu klären, bevor ICOs das Zeug zum Massenphänomen entwickeln können. Es dürfte aber allemal interessant sein, welche Antworten Kreditinstitute, die derzeit mit der Digitalisierung ihres traditionellen Kreditgeschäfts beschäftigt sind, auf die neuen Herausforderungen haben.