VerschuldungDas könnte die größte Blase der Welt sein

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Das Risiko, dass „BBB“-Unternehmen bald höhere Zinsen zahlen müssen, ist real: Der Markt ist global, die größten Investoren kommen von außerhalb der USA, sie stehen für knapp 30 Prozent des Marktes. Doch seit einiger Zeit fällt ihr Anteil. Wegen der höheren US-Leitzinsen wird es für Anleger aus Europa und Japan teurer, Währungsschwankungen abzusichern. Mittlerweile zahlen Anleger gut 3,5 Prozent dafür. US-Papiere lohnen sich für sie immer weniger.

Muss es zwangsläufig zu so einem Crash kommen? Nein. Denkbar wäre auch „eine lange Phase der Stagnation“, sagt der Kieler Ökonom Kooths, „in der wir kein richtiges Wachstum, aber auch keine tiefe Rezession erleben“. In dieser Zeit wäre die Welt damit beschäftigt, Schulden abzubauen, anstatt in Wachstum zu investieren. Eine galantere Möglichkeit wäre, aus den Schulden herauszuwachsen. Das setzt aber voraus, dass die Wirtschaft insgesamt stärker wächst als der Schuldenstand. Für BIZ-Ökonom Borio kann das nur gelingen, wenn Regierungen reformieren. „In einigen Ländern kann das bedeuten, den Arbeitsmarkt zu flexibilisieren oder mehr Konkurrenz in der Wirtschaft zuzulassen“, sagt er. „Nur dann kann nachhaltiges Wachstum entstehen, das nicht von Notenbanken abhängt, sondern sich selbst trägt.“ Wie mühsam und politisch heikel dieser Ansatz ist, hat die Eurozone in den vergangenen acht Jahren gezeigt.

Um wie viel leichter erscheint da die dritte Option: noch mehr Schulden. Die Fed könnte die Zinsen wieder senken, und die EZB könnte wieder Anleihen kaufen (sie hat ja erst vor ein paar Tagen damit aufgehört). Larry Summers, einst US-Finanzminister und einer der einflussreichsten amerikanischen Ökonomen, legt schon mal vor: „Wir müssen uns jetzt auf eine Rezession einstellen“, schrieb er Anfang Januar in der „Financial Times“, die Notenbanken sollten ihre Geldpolitik wieder zügig lockern und die Regierungen schnell große Ausgabenprogramme auflegen. Natürlich finanziert über neue Schulden.

Das Schuldenproblem würde das nicht lösen: „Wir würden es nur in die Zukunft walzen“, sagt Kooths. Und sein Kollege Borio fürchtet: „Je länger die niedrigen Zinsen andauern, desto schwieriger wird es für die Notenbanken, die Zinsen anzuheben, wenn die Schulden weiter steigen.“

Nein, noch mehr Schulden wären wohl eher das Eingeständnis, dass die alten Gesetze der Wirtschaft am Ende sind: Nicht mehr Innovation und Produktivität bringen Wachstum und Wohlstand. Sondern das immer neue Geld der Notenbanken. Es wäre damit auch: der Abschied von der Marktwirtschaft.