VerschuldungDas könnte die größte Blase der Welt sein

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Laut Moody’s nimmt die Ausfallwahrscheinlichkeit der Kredite in den CLOs zu, die Investoren erhalten jedoch immer geringere Zinsen. Die Risikoaufschläge im Vergleich zu sicheren US-Staatsanleihen sind seit 2013 von fast fünf Prozent auf unter 3,5 Prozent gefallen, so groß war der Andrang der Investoren. Sie waren auch eher bereit, auf übliche Sicherheiten zu verzichten. Nach der Zinserhöhung der Fed Mitte Dezember berichteten Markthändler von einer regelrechten Flucht der Investoren aus diesem Segment, große Banken wie Barclays, UBS, Wells Fargo und die Deutsche Bank verzichteten nach Medienberichten vorerst auf den Weiterverkauf großer Kredite – sie fanden keine Käufer mehr.

Es sind solche Entwicklungen, die Fondsmanager Muhle vorsichtig machen: Weil er vielen Geschichten misstraut und seinen Fonds vor Pleiten bewahren will, investiert er nur in Unternehmen mit exzellenten Finanzen, die auch eine Schuldenkrise meistern dürften: Apple etwa, der Gaskonzern Linde oder Warren Buffetts Beteiligungsholding Berkshire Hathaway. Bei Anleihen kauft er nur „AAA“-Papiere.

Chinas versteckte Schulden

Neben den USA hat auch China seine Verschuldung dramatisch erhöht. Die Volksrepublik war der Schlüssel zur Erholung der Weltwirtschaft ab 2009, als andere Industrieländer in der Rezession steckten. China finanzierte seinen Boom weitgehend auf Pump. Die Kredite an Haushalte und Unternehmen kletterten dort von 140 Prozent der Wirtschaftsleistung auf 240 Prozent, schätzt die BIZ – ein Wert, der die Währungsreserven Chinas von 30 Prozent des BIP winzig erscheinen lässt.

Ein weiteres Problem sind die staatlichen Schulden, die laut Experten viel zu niedrig ausgewiesen werden, weil chinesische Provinzregierungen ihre Schulden für windige Immobilien- und Infrastrukturprojekte verstecken können. Im Oktober warnte die Ratingagentur Standard & Poor’s: „Wir glauben, dass die Lokalregierungen außerbilanzielle Schulden in Höhe von bis zu 6000 Mrd. Dollar angehäuft haben. Das ist ein Eisberg an Schulden mit Kreditrisiken in titanischem Ausmaß.“

Anders als die USA (wo nebenbei bemerkt auch die Regierung Trump die Staatsschulden gerade pro Jahr um gute 1000 Mrd. Dollar hochtreibt), sind die Chinesen aber wenig im Ausland verschuldet – eine Schuldenkrise dort wäre zwar dramatisch und hätte auch für deutsche Unternehmen gravierende Folgen, müsste aber nicht gleich eine Weltfinanzkrise auslösen. Mit den USA ist das anders. Zu verflochten sind Banken, Versicherungen und Unternehmen in den USA und Europa, um sich einer neuen Krise entziehen zu können. Wie also geht das Ganze aus?

Glaubt man Fed-Chef Jerome Powell, dann wird die Notenbank in diesem Jahr die Leitzinsen zwar nicht mehr so forsch anheben wie 2018, aber doch noch ein- bis zweimal. Allein diese Aussicht sorgte vor Weihnachten für einen Ausverkauf an der Börse und eine Flucht aus schlecht gerateten Unternehmensanleihen. Hinzu kommen die schwächeren Wachstumsaussichten in allen wichtigen Volkswirtschaften. Das bedeutet: weniger Absatz, geringere Gewinne, weniger Jobs und Konsum.

Das große Finale

Es droht ein Teufelskreis: Verschlechtert sich die Lage bei „BBB“-Unternehmen wie McDonald’s, droht ein Abstieg in den Ramschbereich. Großinvestoren müssten die Papiere verkaufen, die Anleihekurse würden fallen, und die Zinsen würden steigen. Über Indexfonds wie ETFs würde sich die Krise ausweiten. Im Investment-Grade-Bereich arbeiten fast 30 Prozent aller Investoren mit ETFs, im Ramschbereich sind es 15 Prozent. Stoßen Anleger ETFs ab, müssen diese die zugrunde liegenden Anleihen verkaufen. Das würde die Kursverluste noch ausweiten.

Abstiege aus dem Investment-Grade-Bereich würden wiederum jene Unternehmen unter Druck setzen, die bereits vorher im Ramschbereich notierten. Denn die müssten nun noch höhere Zinsen zahlen. „Frühere Investment-Grade-Firmen könnten einige sehr schlecht geratete Ramschunternehmen aus dem Markt drängen“, sagt Moody’s-Analystin Mariarosa Verde.