KolumneDie Enteignung der Beiersdorf-Aktionäre

Bernd Ziesemer
Bernd ZiesemerCopyright: Martin Kress

Wenn die Eigentümer der Beiersdorf AG am 19. April zur Hauptversammlung in Hamburg zusammenströmen, kann man eines schon heute vorhersagen: An der Dividende ihrer Aktie wird sich nichts, aber auch gar nichts ändern. Seit 2009 zahlt der Konzern seinen Aktionären 70 Cent pro Aktie – und dabei bleibt es auch 2018. Dafür sorgt ein Mann ganz allein: Der schweigsame Milliardär Michael Herz, der mit seiner Familie über die Mehrheit des Kapitals gebietet. An Auszahlungen ist der schwerreiche Magnat schon aus Gründen seiner persönlichen Steuerquote nicht interessiert.

Seit Jahren protestieren die Kleinaktionäre gegen die Dividendenpolitik bei Beiersdorf. Doch ihre Enteignung geht weiter. Oder besser gesagt: Der Konzern behandelt sie schäbiger als jemals zuvor. In den beiden letzten Jahren erhielten die Eigentümer nur 22 bzw. 23 Prozent des Gewinns. In den Vorjahren lag diese sogenannte Auszahlungsquote deutlich höher.

Am vergangenen Freitag veröffentliche die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ eine Übersicht über die Dividendenrendite der 30 Dax-Konzerne. Für Beiersdorf kann man diese Tabelle getrost als Dokument der Schande bezeichnen. Der profitable Konsumgüterkonzern tummelt sich in dieser Rangliste ganz am Ende – zwischen notorischen Verlustbringern wie der Deutschen Bank, Thyssen-Krupp und der Commerzbank.

Bei Beiersdorf liegt das Geld sinnlos herum

Aus dem Unternehmen hört man seit Jahren das immer gleiche Argument: Das Geld der Kleinaktionäre sei ja nicht verloren, sondern stecke nur im Konzern, der so immer wertvoller werde. Doch diese Sichtweise wäre nur dann vernünftig, wenn Beiersdorf die einbehaltenen Gewinne auch für Zukunftsinvestitionen einsetzen würde. Das ist jedoch nicht der Fall. Die risikoscheue Herz-Familie scheut seit Jahren größere Übernahmen, obwohl das Geld dafür vorhanden wäre. So liegt es bei Beiersdorf im wahrsten Sinne des Wortes sinnlos herum.

Die Kleinaktionäre, aber auch die dort engagierten institutionellen Investoren haben bei Beiersdorf nichts zusagen. Michael Herz regiert das Unternehmen mit seinem Strippenzieher Reinhard Pöllath, dem Vorsitzenden des Aufsichtsrats, wie ein persönliches Duodez-Fürstentum. In einem börsennotierten Unternehmen gelten eigentlich besondere Prinzipien der Corporate Governance. Nicht jedoch bei Beiersdorf.

Kritiker fordern Übernahmen

So richtig regt sich darüber jedoch niemand auf. Denn die Leistungen des Konzerns können sich wahrlich sehen lassen. Seit Stefan Heidenreich den Vorstand führt, steigen die Gewinne Jahr für Jahr. Nie ging es dem Unternehmen besser als heute. Ob das allerdings auch künftig so weiter geht, steht auf einem ganz anderen Blatt. Kritiker bemängeln seit langem, Beiersdorf dürfe nicht wie bisher nur organisch wachsen, sondern müsse auch durch Übernahmen den Anschluss an die Weltspitze der Kosmetik-Branche halten. Mit Michael Herz ist das jedoch nicht zu machen.

Familien als Mehrheitsaktionäre können ein Segen für einen Konzern sein – siehe beispielsweise BMW und die Quandts. Sie können sich jedoch auch in einen Fluch verwandeln – siehe beispielsweise die Porsches und Piechs bei VW. In welche Kategorie sich Beiersdorf in den nächsten Jahren einordnen wird, bleibt eine offene Frage.