Podcast„Die drastischen Maßnahmen sind in Gänze gerechtfertigt“

Stefan Oschmann ist Vorstandsvorsitzender des Pharma- und Chemiekonzerns Merckimago images / argum

Der Vorstandsvorsitzende von Merck, Stefan Oschmann, hat Verständnis für den neuen Lockdown in Deutschland geäußert, auch wenn er die Maßnahmen im Einzelnen nicht bewerten wollte. „Wenn wir uns die Infektionszahlen anschauen und extrapolieren, was sich bei den Intensivbetten tun wird, sind die Maßnahmen in Gänze berechtigt“, sagte Oschmann im Podcast „Die Stunde Null“ (Hier direkt reinhören).

Oschmann, der das Darmstädter Pharma- und Chemieunternehmen seit 2016 führt, sprach sich auch gegen die wiederholt geforderten Alternativstrategien aus, etwa nur Menschen über 60 und Risikogruppen zu isolieren. Da wäre man in Deutschland bei rund 30 Millionen Personen. „Von der Logik halte ich gar nichts. Würden wir das Virus einfach so durch Deutschland durchlaufen lassen, dann gäbe es Hundertausende Tote“, sagte der Merck-CEO. „Das wären hauptsächlich ältere Menschen, aber sie würden im Schnitt neun Jahre zu früh sterben. Das ist etwas, das unsere Gesellschaft nicht will.“ Er sei es inzwischen auch leid, immer wieder darüber zu diskutieren. „Dass wir da drastische Maßnahmen ergreifen müssen, ist vollkommen richtig.“

Merck ist als Technologiepartner und als Zulieferer an rund 50 Impfstoffprojekten beteiligt. Außerdem forscht der Dax-Konzern, der 2019 mit 57.000 Mitarbeitern 16,2 Mrd. Euro umsetzte, an antiviralen Substanzen, mit der Menschen präventiv behandelt werden. „Man muss mit Voraussagen immer vorsichtig sein, aber die frühen Daten aus den Impfstoffprojekten schauen vielversprechend aus“, sagte Oschmann, der intensiv in Kontakt mit den Pharma- und Biotechunternehmen steht, die an Covid19-Impfstoffen arbeiten.

Die Corona-Krise hat das divers aufgestellte Unternehmen, dessen Wurzeln auf das Jahr 1668 zurückgehen, unterschiedlich getroffen. Im Geschäft mit Pigmenten etwa, in dem Merck die Kosmetikindustrie und Autobranche beliefert, gab es im ersten Halbjahr Einbrüche, auch im Pharmageschäft kam es im zweiten Quartal zu Rückgängen. Insgesamt sei das Geschäft im ersten Halbjahr aber gut gelaufen, so Oschmann. Das sogenannte Life-Science-Geschäft – unter anderem Zubehör und Ausrüstung für Labore – habe in dem Zeitraum einen regelrechten Boom erlebt.

Hören Sie in der neuen Folge von „Die Stunde Null“,

  • warum Stefan Oschmann inzwischen sogar gerne mit dem Betriebsrat redet,
  • warum der Merck-Chef in diesem Jahr 20 Kilo abgenommen hat,
  • wie es ist, nicht mehr einmal im Monat nach China zu fliegen – dafür jeden Tag virtuell dort zu sein.

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