ReportageDie deutsche Cloud

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Vor dem Datenansturm: Im Tunnel unter dem neuen Rechenzentrum der Telekom in Biere sind die Halter für die Leitungen bereits montiert
Vor dem Datenansturm: Im Tunnel unter dem neuen Rechenzentrum der Telekom in Biere sind die Halter für die Leitungen bereits montiert
© Christian Schulze

Bei SASER (Safe and Secure European Routing) geht es um einen europäischen Internetrouter, der auf Basis einer sicheren Glasfasertechnologie eine Alternative zu nicht europäischen Anbietern bereitstellen soll. Seit einem Jahr arbeitet ein Konsortium aus etwa 50 vorrangig deutschen und französischen Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft – darunter Alcatel-Lucent und die Deutsche Telekom – an der Entwicklung. Das Gesamtvolumen des Programms, dessen Förderung bis Sommer 2015 zugesagt ist, liegt bei 60 Mio. Euro. Doch wenn die neuen Router einmal flächendeckend eingesetzt werden sollen, wird es richtig teuer. Bislang setzen Konzerne wie die Deutsche Telekom oder British Telecom ungeachtet aller Bedenken auf Huawei-Technik, weil die billig ist.

Wie wichtig das Kostenargument ist, zeigt auch das Projekt SeSaM. Hinter dem sperrigen Namen Secure and Safe Microkernel Made in Germany verbirgt sich eine Art Software-Schutzhülle, die durch Abkapselung einzelner Programme verhindern soll, dass Hacker bei einem erfolgreichen Angriff die Kontrolle über ein gesamtes System übernehmen können. Knapp 1 Mio. Euro hat das Bundesforschungsministerium in das Projekt gesteckt. In Flugzeugen läuft das System bereits, in der Medizintechnik und Automobilelektronik soll es ebenfalls genutzt werden.

Um die viel höheren Sicherheitsanforderungen für den Einsatz in besonders schutzbedürftigen Einrichtungen wie Kraftwerken oder bei der Steuerung von Stromnetzen zu erfüllen, müssten internen Schätzungen zufolge noch einmal 15 Mio. Euro investiert werden. Doch diese Summe will derzeit keiner in die Hand nehmen. In den USA läuft das ganz anders: In der Sicherheitsbranche wird erzählt, dass die Amerikaner schon vor einigen Jahren ein eigenes Sicherheitsbetriebssystem nach höchsten Standards entwickelt haben. Den Auftrag dazu habe die NSA zwei Unternehmen parallel erteilt. Volumen: jeweils mehr als 30 Mio. Dollar.

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„Am Ende scheitert es bei uns immer am Geld“, sagt IT-Berater Gaycken. Es ärgert ihn, dass Deutschland womöglich die historische Chance verpasst, vom Imageschaden der Amerikaner zu profitieren. „Der Erste, der eine glaubwürdige Alternative zu den US-Anbietern auf den Tisch legt, kann einen riesigen Markt besetzen“, sagt er. „Wenn wir das jetzt nicht machen, dann macht es jemand anderes.“

Visionären wie ihm wäre es ein Graus, wenn die Lösung des Problems darin bestünde, die Uhr zurückzudrehen. Data-Room-Services-Chef Hoffmeister hat immer wieder Kunden, die von technisch ausgefeilten Speicherlösungen nichts wissen wollen. So wie das rheinische Industrieunternehmen, das Firmenanteile an einen Investor verkaufen wollte. Es ließ vier Laster mit Dokumenten vorfahren, die von Hoffmeisters Mitarbeitern eingescannt und auf den firmeneigenen Servern abgelegt wurden. Mehr als eine Million Din-A4-Seiten.

Bei ganz misstrauischen Kunden versammelt Hoffmeister sogar schon mal 30 Anwälte um einen Tisch, nimmt ihnen die Handys ab und stellt ihnen einen Leitz-Ordner mit Dokumenten auf den Tisch. Die können sie dann vor Ort durchblättern – auch so kann Sicherheit aussehen.