BrexitDie britische Autoindustrie stirbt mit dem Brexit

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Ende einer Ära

Früher war alles anders. Für Autoästheten wurden über Jahrzehnte die schönsten und wertvollsten Autos in Großbritannien gebaut. Rolls Royce, Bentley, Triumph, Jaguar, Land Rover, Aston Marin, MG – allesamt Ikonen der Automobilgeschichte. Ein Jaguar XK 150 hat schon 1958 mehr als 250 PS und Scheibenbremsen. Und der Aston Martin DB5 (1963-1965) wurde zum Dienstwagen von James Bond, mit dem er im Dienste Ihrer Majestät mit 300 PS und vier Liter Hubraum (1964 „Goldfinger“; 1965 „Feuerball“) die Welt rettete.

Spätestens mit dem EU-Beitritt 1973 ging diese Ära der meist exzentrischen Automobilbaukunst zu Ende. Immer mehr Importautos mit besserer Qualität und Technik drängten im Massensegment auf die Insel, die Importquote stieg von 7 auf 33 Prozent. In deutschen Autofahrerkreisen sprach man im Zusammenhang mit dem Autokonzern British Leyland nur von „British Elend“ oder von der Notwenigkeit, einen Jaguar nur im Zweierpaket zu erwerben: ein Auto für die Straße, eines als Ersatzteillager oder als Werkstatt-Auto.

Die britischen Autohersteller als Kinder des Empires haben nie gelernt, sich um Kunden auf dem Weltmarkt zu bemühen, bestenfalls sie gnädig zu bedienen. Übrig blieben kleine exklusive Sportwagenschmieden – und die Exzentrik selber: Rechts lenken und links fahren sind der Welt geblieben. Bis heute.

Sterben auf Raten

James Bond jedenfalls konnte die britische Autoindustrie nicht retten. Lag die Autoproduktion in Großbritannien in 1950 im globalen Ranking mit rund 550.000 noch auf Rang 2 hinter der den USA (und weit vor Deutschland mit Rang 6), so ist sie heute auf Rang 15. das Schlusslicht. Dazwischen fand zum einen der Ausverkauf der britischen Autoindustrie statt durch Übernahmen der bekanntesten Automobilunternehmen und Marken durch Autohersteller vom Kontinent wie BMW oder Volkswagen oder durch indische und chinesische Investoren. 2010 ging mit dem Verkauf von MG Rover an Geely aus China die Ära der rein britischen Autoindustrie zu Ende.

 

Zudem lockte der Beitritt Großbritanniens zur EU in 1973 japanische Auto-Investoren wie Honda, Toyota und Nissan auf die Insel, die so die bestehenden Zollhürden zwischen der EU und Japan umgehen konnten.

Und damit ist der wichtigste Grund bereits erwähnt, warum die Autoindustrie in England nach ihrem glanzvollen Niedergang doch wieder zu neuem Leben erweckt wurde: Es waren ausländische Automobil-Investoren, die entweder an den traditionsreichen Marken wie Rolls Royce, Mini, Bentley und Jaguar interessiert waren und die maroden Fabriken notgedrungen in Kauf nahmen. Oder es waren asiatische Automobilkonzerne wie Honda oder Nissan, die ihre eigenen Marken mitbrachten und auf der Insel für den europäischen Markt zollfrei produzieren und exportieren wollten.