FußballgeschäftDie Angst der Bundesliga vor dem Abstieg

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St.-Pauli-Geschäftsführer Andreas Rettig
St.-Pauli-Geschäftsführer Andreas Rettig kämpft gegen die Abschaffung der 50+1-Regel (Foto: Getty Images)

Als Kollege von Seifert war Rettig von 2013 bis 2015 Geschäftsführer der DFL. Heute ist er Anführer der 50+1-Verfechter. In einer denkwürdigen DFL-Mitgliederversammlung im März boxte er einen Antrag durch, mit dem er die Regel zementierte – obwohl das Präsidium zuvor eigentlich eine „ergebnisoffene Grundsatzdiskussion“ beschlossen hatte.

„Ich bin nicht investorenfeindlich“, beteuert Rettig. „Altruistische“ Geldgeber wie „die Hopps dieser Welt“ seien herzlich willkommen und „ein Gewinn für den Standort“. Aber wenn 50+1 falle, würden alle Schleusen geöffnet: für Konzerne, die Clubs als „werbetreibende Töchter“ behandeln, für dubiose Investoren und Geld aus trüben Quellen. Bestätigt sieht er sich durch Fälle wie dem des Maschinenbauers Leifeld, bei dem die Bundesregierung jüngst die Übernahme durch einen Bieter aus China blockierte. „Die Politik fängt gerade an, über Sicherheitsmaßnahmen nachzudenken. Die haben wir im Fußball bereits. Warum sollten wir die aufs Spiel setzen?“

Selbst das Argument, dass die Liga durch externe Kapitalgeber wettbewerbsfähiger wird, lässt Rettig nicht gelten. Wenn etwa Bayern München für Neymar 220 Mio. Euro biete, zahle der katarische Scheich hinter Paris Saint-Germain eben 250 Mio. Euro, sagt er. Dagegen würde die Öffnung des Marktes hierzulande ein „Rattenrennen“ auslösen: „Wenn der Erste verkauft, gibt es sofort einen Dominoeffekt.“ Selbst Clubs, die keine Anteile abgeben wollen, würden gezwungen zu verkaufen.

Bundesliga weckt Interesse in China

Tatsächlich sind einige Bundesligisten längst aktiv auf der Suche nach Kapitalgebern – auch in China. Chinesische Milliardäre und Konzerne waren zuletzt bei den meisten Clubdeals in Europa beteiligt: bei Manchester City, Inter und AC Mailand oder Atlético Madrid, selbst in Tschechien und Holland. Auch mit deutschen Clubs führten Chinesen Gespräche – allen voran der Mischkonzern Fosun, der 2015 und 2016 bei etlichen Bundesligisten anklopfte, etwa in Dortmund, Mönchengladbach und Wolfsburg. Als Abgesandte von Hertha BSC einmal in der Fosun-Zentrale in Schanghai aufkreuzten, sahen sie dort auf einem Foto alte Bekannte: den Fosun-Chef mit ihren Kollegen von Werder Bremen.

Dennoch kam es damals zu keinem Abschluss. Als eine Hürde hätten sich die Beschränkungen für Investoren erwiesen, sagt ein Clubmanager, der mit Fosun verhandelt hat. „50+1 war ein großes Thema.“

Der historische Deal folgte stattdessen in diesem Sommer woanders – beim FC Viktoria 1889 Berlin in der Regionalliga Nordost. Als erster chinesischer Investor will der Hotelmilliardär Alex Zheng mit seiner Firma ASU einen deutschen Verein übernehmen – in der vierten Liga, wo die 50+1-Regel nicht gilt. Mithilfe eines höheren zweistelligen Millionenbetrags über mehrere Jahre will Zheng, der bereits Mehrheitseigner des französischen Erstligisten OGC Nizza ist, Viktoria in den Profifußball hieven. Man habe ja in Leipzig und Hoffenheim gesehen, was möglich ist, heißt es im Club. Auch, wie sich 50+1 austricksen lässt.