FußballgeschäftDie Angst der Bundesliga vor dem Abstieg

Seite: 3 von 4

Der Preis des Erfolgs

Lange schien es so, als könnte der deutsche Fußball auch mit weniger Kapital konkurrenzfähig bleiben. Im Finale der Champions League 2013 machten der FC Bayern und Borussia Dortmund den Sieger unter sich aus. Ein Jahr später folgte der WM-Triumph in Rio, 2017 der Sieg beim Confed Cup. Doch nicht erst seit dem Debakel in Russland mehren sich die Alarmzeichen: die Pleiten deutscher Starter in der Europa League, die Langeweile in der Liga durch die Übermacht der Bayern, die Probleme der Juniorenteams des DFB. Der Weltmeisterbonus ist aufgebraucht.

„Ich habe das Gefühl, dass sich bei einigen Spitzenkräften des deutschen Fußballs eine gewisse Selbstzufriedenheit eingeschlichen hat“, sagt Eintracht-Vorstand Hellmann. Die Erfolge 2013 und 2014 hätten bei einigen „eine einschläfernde Wirkung“ auf die Bereitschaft gehabt, sich in der Liga kritischen Fragen zur Wettbewerbsfähigkeit zu stellen. Im Januar warnte DFL-Chef Christian Seifert deshalb in einer Brandrede: „Wer internationale Zweitklassigkeit nicht so schlimm findet, wird sich schneller, als er denkt, in der internationalen Bedeutungslosigkeit wiederfinden.“ Es reiche nicht, nur den Status quo zu verwalten.

Infografik: Woran Fußballclubs verdienen - Beispiel FC Schalke 04 | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Die Sorgen des Chefvermarkters teilen auch andere. „Wir sind der Meinung, dass die Bundesliga sich im Sinne der Wettbewerbsfähigkeit öffnen muss“, sagt Hertha-Manager Michael Preetz. „Jeder Verein sollte für sich selbst entscheiden können, welchen Weg er gehen möchte.“

Ähnlich sehen das der FC Bayern, der HSV und Eintracht Frankfurt. Bei einer Marktöffnung könne ja auch mit einem Katalog sichergestellt werden, dass vereinsfremde Mehrheitseigner bei fundamentalen Fragen wie der Aufnahme von Kapital, aber auch bei Namen und Standort nicht gegen den Verein entscheiden dürfen, sagt Hellmann. Die Liga brauche „klare Regeln für ein Financial Fairplay und harte Vorgaben für die Höhe und die Herkunft von frischem Kapital“. Aber bisher sperrt sich eine Mehrheit in der DFL, 50+1 anzurühren – allen voran der FC St. Pauli und der börsennotierte BVB.

Vitesse Arnheim, FC Málaga, FC Portsmouth, Nottingham Forest, 1860 München, AC Parma, OSC Lille – St. Paulis Geschäftsführer Andreas Rettig könnte noch einige Beispiele mehr aufzählen. „Bei all diesen Clubs hat ein Investor den Laden vor die Wand gefahren und sich dann aus dem Staub gemacht“, sagt der Manager des Zweitligisten. Ähnliches passiere gerade beim AC Mailand, wo der chinesische Eigentümer seine Schulden nicht bedienen kann.