FührungskriseDie 5 Baustellen der Commerzbank

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#3 Konsolidierung anders denken

Vor gut einem Jahr wähnte sich die Commerzbank in den Fusionsgesprächen mit der Deutschen Bank noch auf Augenhöhe. Doch inzwischen liegen Welten zwischen der Taunusanlage (Deutsche Bank) und der Kaiserstraße (Commerzbank) in Frankfurt, und das nicht nur im Hinblick auf die Marktkapitalisierung. Während der zupackend und selbstbewusst auftretende Deutsche Bank-Chef Christian Sewing den globalen Anspruch seines Hauses betont, schmeißt Commerzbank-Boss Zielke hin. Erst am Dienstagmorgen ließ Sewing während einer Online-Veranstaltung der Nachrichtenagentur Bloomberg durchblicken, dass er wenig Spaß an einer Wiederauflage der Fusionsgespräche hätte. „Unsere Priorität ist unsere Strategie“, sagte er. „Was immer wir tun, muss Wert für unsere Aktionäre schaffen. Das habe wir auch vor einem Jahr gesagt.“

Der Commerzbank bleiben also zwei Möglichkeiten: Erstens sich andere Fusionspartner als die davoneilende Deutsche Bank zu suchen. Wie wäre es mit der Hamburg Commercial Bank (der ehemaligen Landesbank HSH) und der Fokussierung auf die Unternehmensfinanzierung? Oder es bleibt als zweite Option eine Schrumpfkur:

#4 Sich der Wirklichkeit stellen

Im Grunde genommen geht es der Commerzbank wie einem Fußballclub, der seit Jahren in der zweiten Bundesliga kickt, sich aufgrund seiner langen Tradition aber als natürlichen Anwärter für den Europapokal betrachtet. Es braucht eine Zeit, bis sich Anspruch und Wirklichkeit dann wieder ausgleichen. Der Commerzbank steht dieser schmerzliche Prozess noch bevor. Sie gehört zu den kleinen Unternehmen im Nebenwerte-Index MDax, ein Wiederaufstieg in den Dax ist in absehbarer Zeit so wahrscheinlich wie ein deutscher Fußballmeister aus Bremen, Stuttgart oder Kaiserslautern – es sei denn es kommt zu einer großen Fusion mit Hauptsitz und -notiz in Deutschland.

Doch vielleicht muss es auch gar nicht immer Europapokal sein, um im Bilde zu bleiben. Ein gut geführter und profitabler Finanzierer der deutschen Wirtschaft könnte auch im Sinne der Aktionäre sein. Hier ist neben der Deutschen Bank auch immer noch Platz, denn viele Unternehmen haben lieber zwei oder drei Hausbanken als nur eine. Die eigene Rolle als Universalbank zu hinterfragen dürfte ein wichtiger Bestandteil bei der Entwicklung einer Strategie sein. Das ermöglicht dann:

#5 Investoren zur Commerzbank zurückholen

Die Commerzbank ist nicht nur im MDax ein Leichtgewicht geworden, auch bei vielen Investoren ist sie längst aus dem Blick geraten. Das zeigt ein Rundruf bei Investoren in Frankfurt. Wegen der unklaren Gemengelage will sich ohnehin niemand aktuell zur Commerzbank öffentlich äußern, aber auch ohne den Paukenschlag von Freitag gäbe es nicht viel zu sagen. Viele Fondsgesellschaften haben die Commerzbank nicht mehr auf dem Radar, Positionen entstammen passivem Geschäft oder institutionellen Mandaten, die etwa darauf zielen den MDax komplett abzubilden.

Und so bleibt vor allem Cerberus. Die Amerikaner haben zuletzt Rabatz gemacht und mit dem Abgang von Zielke und Schmittmann auch ein erstes Ziel erreicht. Sich mit der aktivistisch auftretenden Cerberus zu verständigen und für andere Investoren wieder attraktiv zu werden, dürfte eine wichtige Aufgabe einer neuen Commerzbank-Führung sein. Dazu zählt es auch, dem Großaktionär Bundesrepublik Deutschland bzw. seinen Steuerzahlern einen gesichtswahrenden Abschied aus dem Engagement zu ermöglichen. Denn klar sein sollte, dass sich der Aktienkurs auf absehbare Zeit kaum vervier- bis verfünffachen wird, wie es nötig wäre, damit der Bund ohne Verluste aus der Commerzbank aussteigen kann.

Angesichts dieser fünf großen Aufgaben möchte man den Aufsichtsrätinnen und -räten deshalb für die Sitzung am Mittwoch zurufen: Reden Sie miteinander!

 


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