Podcast„Deutschland ist Ankündigungs-Weltmeister, aber Umsetzungs-Absteiger“

En Friseur protestiert gegen den LockdownIMAGO / Steffen Schellhorn

Der monatelange Lockdown hinterlässt seine Spuren – auch auf den Köpfen der Deutschen. Nach zähen Debatten beschlossen Bund und Länder, die Salons nach fast drei Monaten Zwangsschließung ab dem 1. März wieder zu öffnen. Für Noah Wild ein mutloser Kompromiss: „Wir kämpfen für die unverzügliche Wiedereröffnung. Zwei Wochen weiter, in denen die Schattenwirtschaft grassiert und damit die Pandemie befeuert wird, das ist für uns ein Widerspruch, den man nicht begründen kann,“ sagt Wild im Podcast „Die Stunde Null“.

Der 35-Jährige steht durch seine Arbeit bei Wild Beauty, spezialisiert auf den Vertrieb professioneller Haarkosmetik, in direktem Austausch mit den betroffenen Betrieben. Wild, dessen Vater das Unternehmen im hessischen Seeheim-Jugenheim 1994 gegründet hat, koordiniert die bundesweite Klage, die Friseurbetriebe bei den Verwaltungsgerichten in den Bundesländern eingereicht haben. Trotz Öffnung wollen sie weiter rechtliche Schritte verfolgen. „Friseursalons sind ja nicht ab dem 1. März sicherer als jetzt. Das ist ja Hokuspokus,“ sagt Wild im Gespräch mit Tanit Koch.

Daher kämpfen sie für eine sofortige Öffnung. Zusammen mit den Betrieben wolle man dafür sorgen, das Infektionsgeschehen unter Kontrolle zu bringen. Denn: Aus finanziellen Nöten – Experten gehen davon aus, dass 30 Prozent der rund 80.000 deutschen Friseurbetriebe von der Schließung bedroht sind – arbeiten viele Friseure zu Hause weiter.

„Wir haben einen Staat, der von der Theorie her die Möglichkeit hat, alle zu unterstützen. Es muss eigentlich keiner über die Wupper gehen bei uns. Dass das trotzdem viele machen, zeigt, dass wir nicht ein Problem in der Ankündigung haben, sondern in der Umsetzung.“ Der Staat habe es vollkommen versäumt, für Unterstützung zu sorgen. Als Beispiel nennt er die groß angekündigten Überbrückungshilfen, die „weder überbrücken noch helfen“, so Wild.

Kritisch sieht er auch die Vorgaben, die mit der Öffnung der Salons einhergehen. So müsse der Staat beispielsweise Infrastruktur und Finanzierung für die in manchen Bundesländern geplanten Schnelltests stellen. Auch das habe er versäumt, kritisiert Wild. „Sie können ja nicht dem Friseur, der drei Monate später noch nicht mal einen Abschlag erhalten hat, jetzt noch sagen: Organisiere mal das, was der Staat nicht kann und bezahle das Ganze auch noch.“

Hören Sie in der neuen Folge von „Die Stunde Null“,

  • warum sich Noah Wild über die Haare der Bundeskanzlerin aufregt,
  • was der Friseurbesuch mit Mental Health zu tun hat,
  • was bei der Unterstützung pandemie-betroffener Unternehmen schief läuft und warum „Teamchef“ Angela Merkel dringend die Taktik ändern muss.

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