HeimarbeitDeutschland im Homeoffice – fünf Herausforderungen

Symbolbild Homeoffice
Symbolbild HomeofficeGetty Images

Immer mehr Firmen legen ihren Mitarbeitern nahe im Homeoffice zu arbeiten. Laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom von Mitte März arbeite aktuell fast jeder zweite Beschäftigte in Teil- oder Vollzeit von Zuhause. Knapp jeder Fünfte arbeitet dabei zum ersten Mal im Homeoffice.

Zwar stellt der Umstieg für viele Firmen die einzige Möglichkeit dar, das Infektionsrisiko der Belegschaft gering zu halten und gleichzeitig den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten. Allerdings steht das Homeoffice auch vor einigen Herausforderungen, die teils sogar riskante Folgen haben können.

Ausstattung und Equipment

Bevor ganze Abteilungen ihr Zuhause zum Büro machen, bedarf es einiger Vorbereitungen – und des entsprechenden Equipments. Fehlt das, kann sich das Homeoffice für die betroffenen Mitarbeiter aber noch hinziehen. Das bekamen zuletzt selbst die großen Digital-Konzerne aus dem Silicon-Valley zu spüren: Während Google Probleme hatte, die notwendigen Computer und technischen Hilfsmittel an seine Mitarbeiter auszuliefern, konnten Apple-Mitarbeiter wegen der starken Sicherheitsabwehr nicht von zu Hause auf interne Daten zugreifen.

Auch für deutsche Firmen ist das Homeoffice mit einigen Umstellungen verbunden. Laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom durften Ende 2019 vierzig Prozent der Befragten im Homeoffice arbeiten. Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsfeldforschung zeigte dabei allerdings, dass viele die digitale Arbeit von zu Hause häufig nur für wenige Stunden und nicht für ganze Arbeitstage nutzten. Darüber hinaus lassen sich nicht alle Aufgaben gleich gut an den heimischen Schreibtisch verlagern. In der aktuellen Bitkom-Umfrage von Mitte März sagten daher rund 41 Prozent der Befragten, dass ihre Tätigkeit grundsätzlich nicht für das Homeoffice geeignet sei.

 


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Auslastung des heimischen Routers

Seit immer mehr Menschen wegen der Schutzmaßhahmen zu Hause sind und dort arbeiten, nimmt auch der Internetzugriff zu. Beim De-Cix in Frankfurt, dem nach eigenen Angaben größten Internetknotenpunkt der Welt, wurde bereits eine Zunahme der Datenströme um zehn Prozent festgestellt. Die Sorge vor Problemen in der Netzinfrastruktur ist aber völlig unbegründet, versichert Bitkom. Auch De-Cix versichert, man rechne bereits mit deutlich höheren Auslastungen. Gleiches gilt auch für die Handynetze, wie große Telekommunikationsanbieter mitteilen.

Kommt es in den eigenen vier Wänden trotzdem zu einer schlechten Internetverbindung liegt das oftmals am heimischen Router. Vor allem mit mehreren Berufstätigen in der gleichen Wohnung kann das die heimische Hardware schon einmal gehörig auf die Probe stellen. Den Arbeitsablauf kann das aber trotzdem unnötig verlangsamen oder immer wieder unterbrechen – auch wenn man mit diesem Problem dann relativ allein ist.

Hackerangriffe

Mit dem Umstieg auf digitale Arbeit von daheim ist auch das Risiko für Cyberkriminalität deutlich gestiegen. Vor allem während der Umstellungsphase reichen kleine Sicherheitslücken aus, um Hackern Zugriff auf das Unternehmensnetzwerk zu gewähren. Reicht das technische Equipment nicht für alle Mitarbeiter, stellen auch private Rechner mit Unternehmenszugriff eine Gefahr dar: Oft sind die Sicherheitsstandards niedriger und auch die regelmäßige Wartung fehlt.

Dabei haben sich viele Hacker längst die Angst vor dem Coronavirus zunutze gemacht. Erste Phishing-Mails mit angeblichen Informationen rund um das Virus sind bereits im Umlauf. Auch eine E-Mail, die vermeintlich von der Weltgesundheitsorganisation kommen soll, ist dabei. Die Berliner Stiftung Warentest rät deshalb bereits auf Virenschutz-Programme zurückzugreifen. Außerdem sollten Mitarbeiter sich E-Mails von unbekannten Accounts vor dem Anklicken ganz genau ansehen.

Geschlossene Schulen und Kitas

Seit Dienstag sind in vielen Bundesländern auch Schulen und Kindergärten geschlossen. Gerade Eltern stellt das vor die Doppelbelastung von Kinderbetreuung und Heimarbeit. Zwar können Mitarbeiter mit ihren Vorgesetzten vereinbaren, dann zu arbeiten, wenn die Kinder schlafen. Auch dann gelten allerdings noch die Ruhezeiten wie im Büro vor. Morgens früher aufstehen und abends länger arbeiten funktioniert daher nur bedingt.

Oftmals helfen Nachbarn oder befreundete Eltern beim Aufpassen aus. Coaches und Psychologen raten außerdem, sich innerhalb der Familie klar abzusprechen und eigene Zeit- und Wohnungspläne aufzustellen. Wem die Doppelbelastung aus Kinderbetreuung und Arbeit zu viel wird, kann die Arbeit aber auch vorrübergehend verweigern – allerdings kann das Folgen für die eigene Bezahlung haben. Sind die Kinder krank und man kann deshalb nicht arbeiten, besteht (laut §616 BGB) für gewöhnlich ein Anrecht auf Bezahlung für fünf Tage. Noch ist allerdings unklar, ob das auch bei bei geschlossenen Schulen und Kitas gilt. Bleiben die Einrichtungen mehrere Wochen geschlossen, greift das Anrecht nicht mehr.

Der Faktor Mensch

Mit der zunehmenden Arbeit im Homeoffice nehmen auch die Ratgeber-Artikel zu. „Tipps“ und „Tricks“ versprechen die richtigen Strategien für das Homeoffice. Ob man sie nun befolgt oder nicht, die Arbeit von zuhause setzt immer eine Gewöhnungsphase voraus. Denn plötzlich arbeitet man ganz allein – für viele Beschäftigte ein nicht unerheblicher Faktor. So gaben zwei Drittel der Befragten an, sie würden die Arbeit im Büro dem Homeoffice vorziehen – unter anderem wegen dem Kontakt zu den Kollegen.

Dass ein Teil der Mitarbeiter den Schritt ins Homeoffice nur bedingt aus freien Stücken geht, ändert an der mäßigen Begeisterung für die Arbeit von daheim nicht viel. Außerdem fällt es nicht allen Mitarbeitern leicht vom heimischen Küchentisch zu arbeiten – mit Folgen für Motivation und Produktivität. Gerade am Anfang sind daher klare Ziele und Fristen für die eigenen Aufgaben wichtig.

Auf der anderen Seite liest man immer wieder von den Homeoffice-„Fallen“. Denn ohne die Kollegen, muss man selbst auf Pausen und Feierabend achten. Und auch Dienst-Mails erreichen einen plötzlich jederzeit – auch im Feierabend. Mitarbeiter müssen daher auch aufpassen, dass die Arbeit von daheim nicht zu stark in das eigene Privatleben eingreift. Auch hier braucht die Umstellung allerdings Zeit.