StimmungDeutsches Glück im Unglück

Symbolbild DeutschlandPixabay

Deutschland ist ein etwas rätselhaftes und kompliziertes Land geworden. Viele Jahre lang, in etwa bis zum Jahr 2005, war man sich sicher, dass es mit diesem Land vor allem bergab ging. Seit einiger Zeit nun, etwa seit 2010, erzählen uns viele Zahlen und Experten eine andere Geschichte, und zwar von einem Land, dem es so gut gehen soll wie nie zuvor.

Diese Geschichte wiederum ist in diesem Jahr, vielleicht sogar schon 2017, etwas komplizierter geworden. Zusammengefasst könnte man sagen: Dem Land geht es gut, den meisten Menschen auch, aber es fühlt sich nicht mehr so gut an.

Viele stecken gar in einem Zwiespalt, einem persönlichen Schisma: Während der eigene Wohlstand gewachsen ist, nimmt die Sorge um die Richtung, in die Deutschland, Europa und vielleicht sogar der ganze Erdball driften, zu.

Nun könnte man denken: Ist ja logisch, wer viel hat, bei dem steigt die Angst, den Wohlstand zu verlieren. Da ist sicher etwas dran. Aber Umfragen, die vor allem das Institut für Demoskopie Allensbach erhoben hat, lassen darauf schließen, dass es noch weitere Gründe gibt.

Aus den einschlägigen Umfragen und Daten, die unser Land betreffen – egal, ob sie von Umfrageinstituten wie Allensbach, dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) oder für den „Glücksatlas“ der Deutschen Post (ja, auch so etwas gibt es tatsächlich) erhoben werden –, ergeben sich grob gesagt zwei Faustformeln.

Erstens: Immer mehr Menschen in Deutschland geht es besser. Wer etwas anderes erzählt, kennt entweder die Zahlen nicht oder ignoriert sie. Allerdings schauen wir immer ein wenig in die Rückspiegel. Den Zahlenreihen des Soziooekonomischen Panels (SOEP) etwa, die die Basis für viele Ungleichheitsdebatten waren, fehlen immer die letzten zwei, drei Jahre – Jahre mit Aufschwung, Reallohnzuwächsen und neuen Jobs.

Die zweite Faustformel ist die: Etwa drei Viertel der Deutschen sind sehr oder einigermaßen zufrieden, beurteilen ihre Lage als sehr gut oder eher gut und schauen optimistisch in die Zukunft. Nur etwa 20 bis 25 Prozent sagen, dass sie unzufrieden sind, es ihnen nicht gut geht oder dass sie pessimistisch in die Zukunft schauen. Das ist kein Wert, den man vernachlässigen sollte – aber historisch gesehen ist es ein richtig guter Wert. Im Grunde sind, das zeigen etwa die Daten des DIW, die Deutschen so zufrieden wie seit 1990 nicht mehr. Einige Rekordwerte dieser ganzen Umfragen sind zwar in den vergangenen Jahren wieder leicht gesunken – auf lange Sicht aber sind sie noch positiv.

Warum aber schlagen sich diese Daten nicht stärker in der allgemeinen Stimmung nieder? Warum diese Erregung, die immer wieder thematisierte Wut in Teilen der Bevölkerung? Wieso werfen einzelne Ereignisse, wie dieses Jahr in Chemnitz, ein ganzes Land aus der Bahn?