BankenfusionDeutsche Bank/Commerzbank: Woran die Bankenfusion krankt

Gebäude der Commerzbank und der Deutschen Bank in Frankfurt
Gebäude der Commerzbank und der Deutschen Bank in FrankfurtGetty Images

Seit Monaten war darüber spekuliert worden, am Sonntagmittag haben es die Deutsche Bank und die Commerzbank bestätigt: Die Geldhäuser führen jetzt offiziell Gespräche über eine Fusion. Zwar betont die Deutsche Bank in ihrer Pressemitteilung, es gebe keine Gewähr, dass es zu einem Zusammenschluss kommt. Am Sonntagmittag verlautete aber aus Bankkreisen, eine Fusion sei wahrscheinlicher als ein ergebnisloses Ende der Gespräche. Zudem gibt es in Frankfurter Finanzkreisen Sorgen, dass eine Absage der Fusion zu heftigen Reaktionen an den Börsen führen könnte. Die beiden Banken können also kaum noch anders, als den Zusammenschluss durchzuziehen. Somit dürfte der heutige Sonntag als Anfang vom Ende der eigenständig existierenden Großbanken in die deutsche Wirtschaftsgeschichte eingehen.

Die Fusions-Befürworter führen eine Reihe von Argumenten ins Feld: Angesichts der langjährigen Ertragsschwäche beider Banken sehen sie einen Zusammenschluss als Option, um das Problem zu lösen – gerade vor dem Hintergrund der sich eintrübenden Wirtschaftslage, die die Probleme für die Geldhäuser größer macht. Zudem drängt die Zeit: Nach der Europawahl im Mai könnten sich die politischen Verhältnisse in Europa so verändern, dass eine Fusion nicht mehr möglich wäre. Gleichzeitig führen in Berlin Politiker wie Finanzminister Olaf Scholz und sein Staatssekretär Jörg Kukies (beide SPD) die Geschäfte, die die Fusion nicht nur befürworten, sondern massiv vorangetrieben haben. In Berlin träumen sie offensichtlich von einem nationalen Bankenchampion, der international mitspielen kann.

Doch die Zweifel an der Fusion sind massiv. Capital zeigt anhand von vier Thesen, warum ein Zusammenschluss keine gute Idee ist – und die Situation für die beiden Banken dadurch noch schlimmer werden könnte.

#1 Eine Fusion löst das Hauptproblem der hiesigen Banken nicht

Der deutsche Bankenmarkt ist extrem zersplittert und margenschwach, weil hierzulande Sparkassen und Volksbanken, Großinstitute wie die Deutsche Bank und ausländische Geldhäuser wie die französische BNP Paribas um Kunden rangeln. Im harten Wettbewerb liegt daher eine Ursache, warum die Deutsche Bank und die Commerzbank seit Jahren Ertragsprobleme haben. Deshalb verwundert es nicht, dass Fusions-Befürworter argumentieren: Das neue Geldhaus könne da besser mithalten, weil es größer ist und mehr Kunden hat.

Die Sache ist bloß: Die Fusion würde dieses Problem nicht lösen. Alle Großbanken zusammen haben in Deutschland – gemessen am Geschäftsvolumen – nur einen Marktanteil von weniger als 20 Prozent. Dagegen haben die Genossenschaftsbanken, die Sparkassen und die zu den Sparkassen gehörenden Landesbanken einen Marktanteil von mehr als 40 Prozent. Diese drei Bankengruppen müssen zwar auch Gewinne erzielen, aber keineswegs solch hohe Rendite wie Großinstitute wie die Deutsche Bank, die Aktionären gehören. Schließlich gehören die Sparkassen den Kommunen und die Genossenschaftsbanken ihren Mitgliedern, die nicht gerade für hohe Renditevorstellungen bekannt sind.

Entsprechend können sie es sich leisten, ihre Produkte wie Konten günstiger anzubieten – während zudem die ausländische Konkurrenz am hiesigen Bankenmarkt keineswegs verschwinden wird. Zudem droht Banken, dass sie im Zuge der Digitalisierung noch austauschbarer werden, während der Markt für Bankdienstleistungen angesichts der demografischen Entwicklung eher schrumpfen wird. Bedeutet: Der Margendruck wird eher zunehmen, die Ertragsprobleme dürften bleiben.

Gleichzeitig wären die beiden Geldhäuser trotz Fusion zu klein, um international ganz vorne mitzuspielen. Zusammen kommen Deutsche Bank und Commerzbank nur auf eine Bilanzsumme – anhand dieser Kennziffer wird die Größe einer Bank gemessen – von 1,8 Billionen Euro. Die BNP Paribas aus Frankreich dagegen kommt auf 2 Billionen, während die US-Bank JP Morgan eine Bilanzsumme von 2,3 Billionen Euro aufweist.