SchienenverkehrDeutsche Bahn – das wird kein leichter Weg

Seite: 5 von 5
Was im Flugzeug die Blackbox ist, heißt im Zug Redbox. Dieser Datenrekorder zeichnet künftig Fahrdaten der digitalen S-Bahn auf
Was im Flugzeug die Blackbox ist, heißt im Zug Redbox. Dieser Datenrekorder zeichnet künftig Fahrdaten der digitalen S-Bahn auf (Foto: J. Roppel)

Ein Extrembeispiel ist die Strecke Karlsruhe–Basel, eine Idee aus den 70er-Jahren, Baubeginn war 1987, fertig vielleicht 2041. Es geht um 180 Kilometer Schienen, ein Verbindungsstück zwischen Rotterdam und Genua, einen der wichtigsten Güterverkehrswege Europas. Während die Niederländer und Schweizer längst fertig sind, fehlen in Deutschland noch 80 Kilometer.

Wer fragt, wie so was sein kann, ist bei Christoph Klenert richtig. Der Mann kümmert sich bei der DB um alles und jeden, der mit der Strecke ein Problem hat, Leiter Außenbeziehungen für das Großprojekt Karlsruhe–Basel heißt das bei der Bahn. Der Mann wirbt für Verständnis: „Wir bauen hier vom Volumen und Aufwand her eine Stadt.“ Davon sind eine Unmenge Anwohner in über 50 Kommunen betroffen. „Wir fahren ja bei den Leuten an den Vorgärten vorbei.“ 180.000 Bürgereinwände, sieben Jahre Konsultationen, zig Verwaltungsgerichtsurteile, Neuplanungen, Tieferlegungen, Tunnel in Offenburg und Freiburg, es ist im Telegrammstil das, was immer wieder dazwischenkam. Mal war auch gerade kein Geld dafür im Haushalt, die Landesregierung hatte gewechselt, und es gab zwischendurch drei oder vier neue Bundesverkehrswegepläne.

Klar, dass die Digitalisierung der Schiene da bequemer und das Lieblingsprojekt von Managern und Ministern ist. Oder der Deutschlandtakt, der ab 2025 Städte per Zug im Halbstundentakt verbinden soll. All dies klingt gut, doch auch mehr Züge erfordern neue Gleise, Schnell- und Ausweichstrecken, längere Bahnsteige und modernere Bahnhöfe. Und sie erfordern noch mehr Geld.

In Stuttgart hat die Deutsche Bahn in ihrer Not schon mal einen Plan entworfen, sollte der Bund das Geld für die Digitalisierung des neuen Bahnhofs noch länger zurückhalten. Sicherheitshalber hat sie eine Reserve-Ausschreibung vorbereitet: ein klassisches elektronisches Stellwerk mit ganz vielen Kabeln.

 


Der Beitrag ist in Capital 01/2020 erschienen. Interesse an Capital? Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunes und GooglePlay