ChinaDer Umgang des Westens mit China - ein Streitgespräch

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Der Huawei-Gründer Ren Zhengfei gehörte vor seiner Unternehmerkarriere der Volksbefreiungsarmee an. Das wird immer wieder als Argument benutzt, um seinem Konzern bedenkliche Staatsnähe zu unterstellen.

HUOTARI: Das Argument trägt nicht weit. Es gibt relativ solide Hinweise darauf, dass Huawei über die Jahre eher versucht hat, Distanz zum Staat zu halten.

Die da wären?

HUOTARI: Zum Beispiel hat Huawei staatliche Subventionen gemieden – gerade weil sie wussten, dass das bei der internationalen Expansion nicht hilfreich sein würde. Huawei sitzt nicht einfach nur auf dem Schoß der Kommunistischen Partei.

Wie kann man Regierungen oder Hackern den Zugriff auf Mobilfunknetze erschweren?

BERGER: Das Core-Netz eines Mobilfunks ist ein Hochsicherheitstrakt. Im politischen Berlin beteiligen sich Leute an der Diskussion, die den Unterschied zwischen einem Mobilfunknetz und dem Internet nicht verstanden haben.

Helfen Sie uns.

Patrick Berger ist Sprecher und Lobbyist von Huawei – und als solcher derzeit gut beschäftigt
Patrick Berger ist Sprecher und Lobbyist von Huawei – und als solcher derzeit gut beschäftigt (Foto: P. Winkler)

BERGER: Ein Mobilfunknetz ist ein privates, abgeschlossenes Netz, betrieben etwa von der Deutschen Telekom. Da ist vielleicht Huawei-Equipment verbaut, aber Huawei hat gar keinen Zugriff darauf, nur der Betreiber. Wenn Nutzer im selben Mobilfunknetz telefonieren oder eine SMS verschicken, verbleibt das innerhalb dieses Netzes, das landet nicht im Internet. Dann gibt es Dienste wie Whatsapp oder E-Mail, die vom Endgerät durch das Mobilfunknetz ins Internet gehen. Da gibt es aber nur wenige, extrem streng überwachte Zugänge. Wie sollte man da große Datenmengen herausleiten, ohne dass es sofort auffällt?

Die NSA hat Sicherheitslücken des US-Anbieters Cisco genutzt, um Daten abzuzapfen. Wenn so etwas schon die netten Amerikaner machen, können wir doch davon ausgehen, dass die Chinesen ähnliche Begehrlichkeiten hegen.

BERGER: Ich halte diesen Schluss nicht für zwingend. US-Unternehmen schadet so etwas offensichtlich nicht. Chinesische Unternehmen wären weg vom Fenster. Chinas Regierung hat kein Interesse, die dortige Tech-Industrie zu ruinieren.

Themen wie das Absaugen von Daten oder Industriespionage sind das eine. Die andere große Angst ist die vor einem Abschaltmechanismus.

KLEINHANS: Vor allem politische Kreise raunen vom sogenannten Kill Switch. Die Vorstellung ist, dass Chinas Regierung uns im Konfliktfall die Lichter ausknipsen kann. Technisch betrachtet gehört das ins Reich der Fantasie. Aber egal wie unrealistisch es sein mag, man kann nicht mit 100-prozentiger Sicherheit sagen: Das ist unmöglich. Diese Argumentation wird die Technologieregulierung im nächsten Jahrzehnt dominieren. Weil wir chinesische Technologie in praktisch allen Lieferketten finden.

BERGER: Wir reden über ein sehr unwahrscheinliches Szenario. Wenn ich in Berlin spazieren gehe, liegt das Risiko nicht bei null, dass mir ein Blumentopf auf den Kopf fällt. Trotzdem trägt niemand deshalb einen Schutzhelm.

HUOTARI: Dieser Helmvergleich hilft nicht. In den letzten Jahren haben wir doch gemerkt, dass zunächst -paranoid klingende Ansätze bei kritischer Infrastruktur ihre Berechtigung haben. Allein schon, weil die Datenmengen viel größer werden.

KLEINHANS: Man kann Risiken auf ein vertretbares Maß reduzieren. Unabhängig vom Hersteller sollten wir die Widerstandskraft und Vertrauenswürdigkeit unseres 5G-Netzes sicherstellen. Dazu braucht es eine technische Diskussion: über Sicherheitsanforderungen, Zertifizierung, Best Practices.