BankenDer Teflon-Mann der Deutschen Bank

Eine Statue vor einer Filiale der Deutschen Bank
Nachdenklich: Wie kommt die Deutsche Bank aus der Misere?Getty Images

Wenn Paul Achleitner an diesem Donnerstag um 10 Uhr in der Festhalle der Frankfurter Messe die Hauptversammlung der Deutschen Bank eröffnet, schlägt die Stunde des kalkulierten Krawalls: Die Kleinaktionäre erregen sich über den fortlaufenden Kursverfall ihrer Aktie, die Kritiker watschen den Aufsichtsratschef ab und bei den allfälligen Abstimmungen fehlen Achleitner ein paar Prozentpunkte, weil die ganz Aufrechten gegen ihn votieren. Schon jetzt aber ist klar: Der erfolglose und vielfach gescheiterte Aufsichtsratschef muss nicht um seine Wiederwahl fürchten. Achleitner ist und bleibt der Teflon-Mann der Bank, an dem nichts kleben bleibt.

Dabei hat sich die Lage des Kreditinstituts im letzten Jahr dramatisch verschlechtert – vor allem psychologisch: Niemand glaubt mehr an die Deutsche Bank. Auf der letzten Hauptversammlung im Frühjahr 2017 wehte noch die Hoffnung auf eine langsame Normalisierung des Geschäftsbetriebs durch die Reihen der Versammlung. Der Aktienkurs hatte sich damals etwas berappelt und lag bei 17 Euro. Ein gutes, wenn auch nicht gerade berauschendes Quartal lag hinter der Bank. Und die ziemlich überambitionierte PR-Truppe des Instituts verbreitete bereits kleine Filmchen und Erbauungstraktate über die Helden des Wiederaufstiegs der Deutschen Bank.

Zur diesjährigen Hauptversammlung kann man unter Mitarbeitern und Aktionären die schiere Hoffnungslosigkeit mit Händen greifen. Die alte Führungsmannschaft unter John Cryan – zerschlagen. Das neue Cheftrio unter Christian Sewing – mit viel Ach und Krach kurzfristig von Achleitner installiert, um seinen eigenen Kopf zu retten. Die Erwartung dauerhaft besserer Zahlen – vom Winde verweht. Und der Kurs der Aktie – wahrscheinlich auf dem Weg zu einem neuen historischen Tiefstand. Einige große Hedgefonds wetten bereits heftig gegen die Deutsche Bank. Und die Investmentbank Barclays brachte kurz vor der Hauptversammlung an diesem Donnerstag noch eine Zahl ins Spiel, die selbst den letzten Optimisten die Freude nimmt: Nach Meinung der Briten fällt der Kurs der Aktie bald auf 8 Euro – nur noch die Hälfte des 52-Wochen-Hochs vor gut einem Jahr.

Doch an Achleitner perlt das alles ab. Die überaus einflussreichen angelsächsischen Stimmrechtsberater empfehlen eine Entlastung des Aufsichtsratsvorsitzenden, weil sie schlicht keine Alternative zu ihm sehen. Und die großen Fonds werden ihnen wohl folgen. Zwar hat der trickreiche Österreicher durch die Auswahl seiner Aufsichtsräte selbst dafür gesorgt, dass ihm niemand gefährlich werden kann. Deshalb grummeln auch einige große Aktionäre vernehmlich – aber sie lassen Achleitner eben (noch) nicht fallen.

Dabei ist eigentlich schon seit mindestens drei Jahren klar: Achleitner ist nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems bei der Deutschen Bank. Er hat in den letzten Jahren eine erstaunliche Fähigkeit bewiesen, immer die falschen Vorstände zu berufen. Dutzende Spitzenmanager haben unter seiner Ägide das Institut verlassen. Es wäre Zeit für eine radikale Wende. Aber noch wird sie nicht kommen.