KommentarDer stille Tod des Sell-Side-Analysten

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Dann kommen die Roboter …

Es stimmt zwar, dass Berichte und Ratings nicht das sind, womit Analysten den größten Wert für die Banken erzeugen. Der entsteht, wenn Banken einen Börsengang oder eine andere Kapitalbeschaffungsmaßnahme finanzieren. In solchen Fällen werden Analysten auf die andere Seite der „Chinese Wall“ gebracht, die Research und Investment Banking trennt. Sie führen eine Due Diligence durch, erstellen eine Bewertung und sprechen mit potenziellen Investoren. Die Kapitalbeschaffung ist ein margenstarkes Geschäft, weshalb Banken mit starken Kapitalmarktgeschäften Analysten auch dann auf der Gehaltsliste behalten, wenn sie wenig Studien verkaufen. Und die am besten bewerteten Analysten werden in der Lage sein, ihren Anteil an den Kundeneinnahmen selbst beizusteuern – entweder von ihrem Arbeitsplatz bei einer Bank oder durch die Eröffnung einer Research-Boutique.

Keiner der beiden Faktoren ist eine große Hilfe für den armen Julian. Das Kapitalmarktgeschäft seiner Bank ist für Marktführer wie Goldman Sachs und Morgan Stanley ein ständiger Begleiter. Wenn die stärksten Banken die Kundenforschung subventionieren, drückt das den Preis, den Julians Bank verlangen kann.

Dann kommen die Roboter. Quantitative und passive Strategien – wo Computer die meisten Aufträge platzieren – machen heute 60 Prozent des US-Handelsvolumens aus, doppelt so viel wie vor zehn Jahren, so JP Morgan. Die Passiven und die Quants haben nur einen begrenzten Nutzen für Julians Arbeit. Seine Berichte über die Fundamentaldaten des Unternehmens sind zunehmend ein Nischenprodukt. Er und viele andere in seiner Lage müssen kämpfen, um ihre Gehälter zu rechtfertigen.

Viele kluge leisten keine produktive Arbeit

Nach der Krise veranlasste der Regulierungsdruck Julians Arbeitgeber, ihm mehr Festgehalt und weniger Bonus zu zahlen. Das hat ihm in den letzten paar mageren Jahren geholfen. Aber für seinen Boss macht es ihn zu einem größeren Fixkostenfaktor. Das Menetekel an an der Wand ist unübersehbar.

Wenn Mifid II die Investmentbanken schlanker macht, ist das letztendlich eine gute Sache für die Investoren der Banken und für die Wirtschaft. Die Cost-to-Income-Ratio der Banken ist immer noch aufgebläht. Viele kluge, gut bezahlte Leute leisten nicht besonders produktive Arbeit. Daher ist es besser, wenn sie etwas anderes machen. Natürlich wird Mifid auch Kosten verursachen, denn die Compliance-Abteilungen werden immer größer. Aber der Netto-Effekt könnte positiv sein.

Der Übergang wird allerdings schmerzhaft sein. Fette Gehälter in der Finanzbranche sorgen für hohe Immobilienpreise und volle Restaurants in den globalen Handelszentren. Julians Haus kommt auf den Markt, und seine Kinder werden auf staatliche Schulen wechseln. Aber mit der Zeit können Julian – und London – darüber hinwegkommen. Es war ein zermürbender Job mit langen Arbeitszeiten und vielen Reisen, der wenig von bleibendem Wert jenseits eines Gehaltsschecks produzierte. Julian kann ein glücklicherer Mensch werden und seine Stadt ein glücklicherer Ort, nachdem er weitergezogen ist.

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