Western von gesternDer Aufstieg und Fall von Infomatec

Glücksritter des Neuen Markts: Alexander Häfele (l.) und Gerhard HarlosIllustration: Jindrich Novotny

Man hätte ahnen können, dass bei Infomatec etwas faul war. Als die Gründer Gerhard Harlos und Alexander Häfele ihr Augsburger Unternehmen im Sommer 1998 an die Börse brachten, war es kaum mehr als eine zusammengewürfelte Kombination von Softwarefirmen. Ein Hauptprodukt waren Geräte, die das junge Internet auf handelsübliche Fernseher übertragen sollten. Gerade mal 100 Mitarbeiter, einstelliger Millionenumsatz – und vage Versprechungen.

Es war egal in jenen netzseligen Zeiten des Neuen Markts, in denen „Bild“ titelte: „Was muss ich kaufen, um Millionär zu werden?“ Mit Infomatec wäre das kurzzeitig sogar möglich gewesen: Der Börsengang war mit 560 Prozent Plus der erfolgreichste des Jahres. Die Minifirma war Milliarden wert, versprach, bald auf Augenhöhe mit SAP an der Weltspitze zu stehen, Analysten überboten sich mit Kurszielen.

Diese Folge von „Western von gestern“ ist in der neuen Capital erschienen

Doch der Glanz war trügerisch. Bei der Hauptversammlung 1999 wurden stolz Surfgeräte präsentiert, deren Software gar nicht von Infomatec war. Zum Verhängnis wurden dann mehrere aufgebauschte Ad-hoc-Meldungen, darunter eine über den „größten Deal der Unternehmensgeschichte“: Der Netzanbieter Mobilcom habe 100.000 Infomatec-Geräte bestellt. In Wahrheit waren es nur 14.000.

Als das rauskam, versuchten die Chefs noch, den Laden zu retten: Man sei „fundamental gut aufgestellt“, beschwor Harlos seine Investoren. Im Herbst 2000 wurden er und sein Kompagnon festgenommen, weil laut Staatsanwalt die Gefahr bestand, dass sich beide ins Ausland absetzten. Harlos wurde 2003 zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, Häfele 2004 zu einer Haftstrafe, unter anderem wegen Insiderhandels. „Luftnummer und Lumperei“, wetterte der Richter. Ursprünglich hatte die Justiz den Chefs sogar „Gründungsschwindel“ nachweisen wollen. Das gelang nicht. Infomatec war seit 2001 insolvent.

Geschichte hat die Firma dennoch geschrieben: Rechtsgeschichte. 2004 erstritt ein Anleger ein legendäres BGH-Urteil, dem zufolge Aktionären nach einer falschen Ad-hoc-Meldung Schadensersatz zusteht. 2012 siegten weitere Anleger in einem Musterentscheid. „Geld gesehen hat noch keiner“, berichtet heute Bernd Jochem von der Kanzlei Rotter, die Anleger vertreten hat. Bei Harlos sei nichts zu holen gewesen, und Häfele habe sich in die Schweiz abgesetzt – Anschrift bis heute unbekannt.

Hauptpersonen

Alexander Häfele und Gerhard Harlos gründeten Infomatec 1988 in Augsburg und brachten die Firma zehn Jahre später an die Börse. Der Ex-Bodybuilder und Bugatti-Fahrer Harlos und der Ferrari-Pilot Häfele zerstritten sich nach dem Niedergang.

 


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