BankenDas Volksbank-Geheimnis

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Politik bleibt außen vor

Als die EU dem Berliner Senat 2007 auferlegte, die Landesbank Berlin zu verkaufen, zahlten die Sparkassen mehr als 5 Mrd. Euro. Es war ein politischer Preis, diktiert von der Angst, die Bank könnte an private Investoren gehen. Die Folge waren Abschreibungen von mehr als 2 Mrd. Euro. Viel geschickter zeigten sich auch auf diesem Feld die Genossen: Sie sicherten sich 2003 die Norisbank, verkauften deren Filialen 2006 zu einem höheren Preis an die Deutsche Bank – behielten aber das Vorzeigeprodukt, den Ratenkredit Easycredit.

Darüber hinaus sind die Volksbanken oft beweglicher als die Sparkassen, etwa bei Paydirekt, der 2013 mit großen Ambitionen gestarteten Anti-Paypal-Initiative der deutschen Banken. Während die Volks- und Raiffeisenbanken das Projekt vorantrieben, drohte es an Streitereien im Sparkassensektor frühzeitig zu scheitern. Inzwischen ist Paydirekt am Markt, die Erfolgschancen gelten jedoch als ungewiss. „Wenn das nichts werden sollte, ist die Schuld dafür sicher nicht bei den Genossenschaftsbanken zu suchen“, sagt ein hochrangiger Sparkassen-Insider.

Sparkassen vs. Volksbanken: Mitarbeiter

„Wenn man fragt, warum bei den einen relativ viel falsch läuft und bei den anderen relativ viel richtig, dann kommt man am Ende immer auf die gleiche Antwort: die unterschiedliche Kultur“, sagt Bernhard Sauer, ein früherer KPMG-Partner, der als Consultant unzählige Banken beraten hat. „Bei vielen Sparkassen dominiert unter dem Strich der politische Einfluss. Dagegen wird in den Volks- und Raiffeisenbanken viel unternehmerischer gedacht.“

Der Sparkassen-Insider findet noch drastischere Worte: „Die Verschwippschwägerung beginnt auf der kommunalen Ebene, wo der Bürgermeister die Sparkasse beaufsichtigen soll, obwohl die städtischen Finanzen von den Krediten der Sparkasse abhängig sind. Bei den Volksbanken hingegen sitzen keine Politiker im Verwaltungsrat, sondern gestandene mittelständische Unternehmer. Die sind nicht nur unabhängiger – sondern auch kompetenter.“ Der Volksbanker Dejewski aus Neumünster kann das bestätigen: „Wenn wir unsere Aufseher mit banalen Erklärungen abspeisen würden, bekämen wir sofort Gegenwind. Wir werden da richtig gechallenged.“

Die große Frage lautet nun: Trägt das genossenschaftliche Konstrukt mit den mehr als 1000 eigenständigen Instituten auch in zehn Jahren noch? Oder kommt „die Kostenfrage nicht irgendwann doch auf die Institute zu“, wie Bain-Experte Vater befürchtet? Der frühere DZ-Banker Hilgert sagt: „Auf die Genossen warten – ebenso wie auf die Sparkassen – massive Probleme wie der andauernde Niedrigzins, die Digitalisierung und der demografische Wandel. Ich traue den Genossen die nötige Veränderungsbereitschaft zu, aber es wird sehr schmerzhaft. Und der Ausgang bleibt offen.“

Fast alle Experten glauben, dass auch die Volksbanken um Fusionen und Filialschließungen nicht umhinkommen, wenn sie konkurrenzfähig bleiben wollen. Rainer Bouss, der Chefbanker aus Neumünster, sagt dazu nur: „Wir unterhalten Filialen, weil wir mit ihnen Geld verdienen. Sollte das eines Tages nicht mehr der Fall sein, werden wir uns etwas anderes überlegen.“

„Das Volksbank-Geheimnis“ ist zuerst in Capital 2/2016 erschienen. Interesse an Capital? Hier können Sie sich die iPad-Ausgabe herunterladen. Hier geht es zum Abo-Shop, wenn Sie die Print-Ausgabe bestellen möchten.