Die Höhle der LöwenBildungs-Revolution: Eine Schule für die Welt von morgen

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Wer waren die ersten „Talents“, wie Schüler hier genannt werden?

Es begann mit unserer Tochter, dazu eine Freundin. Zwei Kinder, ein Tisch, zwei Mentoren, so haben wir angefangen. Der Raum war leer. Wenn ich heute die Bilder anschaue, denke ich: Wow, der Start war klein.

Wie hat es sich seither entwickelt?

Zu uns kommen Kinder, die Ideen verwirklichen wollen. Auch solche, die nicht im herkömmlichen Schulsystem klarkamen. Unter den Eltern sind Künstler und Selbstständige, einige arbeiten in der Verwaltung, es gibt aber auch welche, die Hartz IV beziehen.

Was, wenn die Eltern ihr Kind auf die New School schicken wollen, das Kind aber nicht will?

Am Kind merkt man das schnell. Wir sagen dann ab. Aber wir hatten auch schon den umgekehrten Fall, wo das Kind unbedingt wollte, die Eltern aber im klassischen Schulsystem verhaftet waren. Uns war klar, dass die nach einem halben Jahr noch immer nach Erdkunde und Physik fragen würden.

Wie kommt man rein?

Man muss sich schriftlich bewerben: Warum man kommen will, welche Idee man hat, welches Projekt einem vorschwebt.

Worauf legen Sie Wert?

Wir wollen erfahren, was das Kind hier umsetzen möchte und was es der Gemeinschaft geben kann. Die soziale Komponente wird immer wichtiger. Manche Kinder sind in dem Alter noch sehr passiv. Für die ist die New School nicht so gut geeignet.

Wieso braucht die Welt überhaupt so eine Schule?

Unternehmer und Professorenhaben mir oft gesagt: Schön, wenn junge Menschen mit Einser-Abschluss zu uns kommen, aber die meisten erwarten, dass wir sie beschäftigen. Die sind weder aktiv noch beherrschen sie Projektarbeit. Und sie haben wahnsinnige Angst, Fehler zu machen.

Was gab die Initialzündung, die New School zu gründen?

Unsere Tochter war auf einer bilingualen Schule. Da dauerte der Unterricht bis 15 Uhr, dann standen Hausaufgaben an, dann musste sie noch lernen. Sie hatte praktisch keine Zeit, sich außerschulisch zu entwickeln. Darüber habe ich mir viele Gedanken gemacht. Ich dachte: Das kann nicht das Leben sein, und es kann auch nicht das sein, was junge Menschen erfolgreich macht.

Was macht denn erfolgreich?

Gute Frage. Wir wissen alle nicht, welche Berufe es in zehn oder 20 Jahren noch geben wird – etwa durch die Blockchain. Gibt es dann überhaupt noch Anwälte oder Banken? Weiß niemand. Trotzdem bereiten wir Kinder auf diese Karrieren vor, und zwar in einem Schulsystem, das es schon vor 100 Jahren gab.