Interview„Das ist hier wie im Disneyland“

Mario Herger arbeitet seit vielen Jahre im Silicon Valley und weiß, wie die Konzerne ihre Mitarbeiter ködern
Mario Herger arbeitet seit vielen Jahre im Silicon Valley und weiß, wie die Konzerne ihre Mitarbeiter ködern
© dpa

Unternehmen müssen sich immer mehr einfallen lassen, um Talente an sich zu binden. Ein sattes Gehalt ist für viele Mitarbeiter kein Anreiz mehr. Aushängeschilder attraktiver Arbeitgeber sind vielmehr die gewissen Extras, die Unternehmen zusätzlich zum Lohn spendieren. Capital hat in einer Studie erstmals ermittelt, welche Unternehmen in Deutschland die besten und innovativsten Benefits bieten.

Doch die großen Vorbilder sitzen im Silicon Valley. Und kaum einer kennt sie besser als Mario Herger. 15 Jahre hat er als Entwicklungsleiter und Innovationsstratege für SAP gearbeitet, zunächst in der deutschen Firmenzentrale in Walldorf, seit 2001 im Silicon Valley. Dort arbeitet er seit vier Jahren nun als selbstständiger Berater und Buchautor („Das Sillicon-Valley-Mindset“).

 

Herr Herger, die ausgefallensten Benefits gibt es wohl im Silicon Valley. Was sticht da besonders hervor?

Das erste, was Besuchern bei Google oder Facebook sofort auffällt, sind die vielen Cafeterien und Restaurants, dazu noch Stände, an denen Eis und Donuts verteilt werden. Das ist hier wie im Disneyland. Neben zahlreichen Gratisangeboten lassen die Firmen auch Friseure, Wäschereien, Fahrradwerkstätten und andere externe Anbieter auf ihren Campus.

Warum verwöhnen die Firmen ihre Mitarbeiter mit so vielen Annehmlichkeiten?

Letztlich ermöglichen die Unternehmen denen damit doch vor allem, in einem produktiven Arbeitsfluss zu bleiben. Die Mitarbeiter sparen viel Zeit, wenn Sie Essen, Sport, Spiel, Spaß und Sonstiges direkt mit wenigen Schritten vom Schreibtisch aus erreichen können. Und danach können sie dann gleich wieder vollkonzentriert loslegen.

Sie sagen selbst, dass die meisten Ingenieure und Entwickler nicht länger als ein gutes Jahr bei Google bleiben. Also sind die netten Extras doch Verschwendung?

Nein, das ist mittlerweile ein hoher Standard, der erwartet wird. Aber selbst deutsche Topmanager bei Google sagen mir: „Die ganzen Gratisangebote sind ja schön und gut, aber letztlich brauche ich das nicht als Ablenkung, sondern als Hilfestellung, um gute Arbeit zu leisten.“ Wegen der Benefits geht niemand zu Google oder Apple, sondern weil dort die besten Leute arbeiten. Und die arbeiten an den „ganz großen Dingen“, die die Welt verändern. Solche Missionen motivieren hier die Mitarbeiter.

Was raten Sie deutschen Unternehmen – brauchen die bessere Benefits oder stärkere Missionen?

Beides. Ein Leitspruch wie „Aus Freude am Fahren“ reicht bestimmt nicht mehr, um die besten Talente zu begeistern. Außerdem wollen die vor allem Autonomie und Verantwortung.