ReportageDas Geschäft mit dem Tod

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Ein Mitarbeiter trägt die Urnen mit den sterblichen Überresten in eine Lagerhalle
Ein Mitarbeiter trägt die Urnen mit den sterblichen Überresten in eine Lagerhalle
© Ériver Hijano

Kaffeefahrt ins Krematorium

Auch Klufa, der Krematoriumsleiter, ist offen für Neues. In Tschechien können Deutsche etwa mit einem Ballon aufsteigen und die Asche ihrer Angehörigen dem Wind übergeben. Andere bestellen eine Rakete und schießen wie bei einem Feuerwerk die Überreste in den Himmel.

Vor 20 Jahren hat die Gemeinde Vysočany das Geschäft mit dem Tod entdeckt und eine Aktiengesellschaft gegründet, die das Krematorium betreibt. Samt Hotel mit Restaurant und Biergarten in der alten Pfarrei gleich nebenan. Deutsche Bestatter bieten sogar Kaffeefahrten zum Krematorium an. „Schauen Sie hinter die Kulissen“, bewirbt ein Institut aus Chemnitz die Tour. Kosten: 29 Euro inklusive Mittagessen.

Das moderne Krematorium liegt neben einer alten Pfarrei, die heute als Hotel und Restaurant dient
Das moderne Krematorium liegt neben einer alten Pfarrei, die heute als Hotel und Restaurant dient
© Ériver Hijano

Das Krematorium ist ein moderner Bau mit viel Licht und noch mehr Pflanzen, 1995 prämiert mit dem tschechischen Architekturpreis. Klufa zeigt stolz die Urkunde. Hinter dem Haus docken die Leichenwagen an Rampen an, wie bei Logistikzentren, und die Särge werden in die Kühlräume gerollt.

Die großen Türen der kleinen Kapelle öffnen sich zu der alten Pfarrei. Wer möchte, kann der Einäscherung beiwohnen. Hinter einem schweren Vorhang befindet sich der Raum, von dem aus die Särge in die Öfen geschoben werden, verziert mit massivem Marmor. Blumengestecke aus Plastik können gemietet werden.

Knochenmühlen rumpeln vor sich hin

Die Rückseite gleicht einer Werkhalle. Groß wie Lastwagen und aus Edelstahl sind die beiden Öfen, in denen die Einäscherung zweieinhalb Stunden dauert. Allein der Brennvorgang bei 850 Grad Celsius braucht etwas über eine Stunde, und wenn die Überreste abgekühlt sind, entnehmen sie Arbeiter im Blaumann und werfen die Metallteile daraus in eine blaue Tonne: Nägel von den Särgen, aber auch künstliche Gelenke. Klufa holt ein Gelenk aus der Tonne. „Die werden aufbereitet und wiederverwendet“, sagt er.

Zwei Stahlschränke rumpeln daneben vor sich hin. Es sind Knochenmühlen. Die erkalteten Überreste werden darin grob gemahlen, erst dann kommen sie in die Urnen. Die schwarzen aus Metall sind für die deutschen Verstorbenen, die goldfarbenen aus Plastik für die tschechischen. Akkurat beschriftet, landen sie in einem kleinen Lagerraum. An Regalen stehen die Namen der Bestatter. Sie kommen aus Tschechien oder aus Berlin, Hannover, Leipzig. In einer Schicht werden so 16 Leichen kremiert. Bei Bedarf arbeitet das Krematorium rund um die Uhr.