KolumneDas Ende der Globalisierung

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Viel entscheidender für den US-Präsidenten ist dagegen die Verteidigung der eigenen geostrategischen Vormachtstellung. Zölle und Handelsbeschränkungen sind Mittel zum Zweck, um die wirtschaftliche, militärische und technologische Vormachtstellung zu verteidigen. Dass China die eigenen Ambitionen auf diesen wichtigen Gebieten zurückstellen wird, ist jedoch unwahrscheinlich. Von daher gehen wir davon aus, dass der Handelsstreit zwischen den beiden Ländern anhalten wird. Die Hoffnung, dass es bei dem Treffen zwischen Trump und Xi nächste Woche auf dem G20-Gifel in Osaka zu einem Durchbruch kommen wird, teilen wir nicht. Allerdings könnten beide Präsidenten Gesprächsbereitschaft signalisieren, sodass die Verhandlungen wieder aufgenommen werden. Dies dürfte die Börsen erfreuen, eine wirkliche Lösung des Problems ist aber nicht in Sicht.

 

Welche Implikationen ergeben sich aus diesen Einschätzungen?

  1. Der Streit zwischen den USA und China geht weiter und wird nicht schnell gelöst. Da auch die Demokraten ein Problem mit China haben, wird dieses Thema unabhängig vom Ausgang der US-Präsidentschaftswahl im nächsten Jahr die Märkte weiter beschäftigen. Der Ton könnte zwar bei einem demokratischen US-Präsidenten im Vergleich zu Trump etwas versöhnlicher klingen, inhaltlich sind aber keine großen Zugeständnisse der Amerikaner zu erwarten.
  2. Das Handelsbilanzdefizit der USA nimmt weiter zu. Einem rückläufigen Fehlbetrag mit China stehen höhere Defizite mit Ländern wie Vietnam, Taiwan, Indien, Indonesien etc. gegenüber.
  3. Der Aufstieg Chinas zur größten Volkswirtschaft der Welt ist dennoch nicht aufzuhalten. Das Wirtschaftswachstum Chinas wird zwar in den nächsten Jahren kontinuierlich zurückgehen, dennoch bleibt es allein aufgrund der Demografie höher als in den USA. China und auch Indien werden also in den kommenden Jahren (China) und Jahrzehnten (Indien) zu dominierenden wirtschaftlichen Mächten – so wie es schon vor Beginn der industriellen Revolution bis Anfang des 19. Jahrhunderts der Fall war.
  4. Die Globalisierung geht zu Ende. Die mit ihr verbundenen Wachstums- und Wohlfahrtseffekte verringern sich, sodass auch die globale Wachstumsrate in den nächsten Jahren vom Trend her zurückgehen wird. Länder, deren Wachstum stark von den Ausfuhren bestimmt wird, haben überdurchschnittlich viel zu verlieren. Dazu gehören Schwellenländer wie Singapur, Malaysia, Südkorea, Russland und Südafrika, aber auch Industrieländer wie die Niederlande, die Schweiz, Deutschland und Italien.

Für die Kapitalmärkte bedeutet das Szenario eines global geringeren Wachstums, dass die Inflationsraten niedrig bleiben und man zukünftig mehr über Deflation als über Inflation sprechen wird. Die globale Niedrigzinsphase wird sich fortsetzen, der im Moment zu beobachtende Rückgang der Kapitalmarktrenditen ist nicht nur ein temporäres Phänomen sondern dauerhaft – Japan lässt grüßen!

Was heißt das für Aktien? Das Argument der „Alternativlosigkeit“ bekommt angesichts immer niedrigerer Zinsen neue Nahrung. Da Anleihen immer teurer werden, könnten sich auch die Bewertungsmultiplikatoren für Aktien erhöhen. Dies spricht für höhere Aktienkurse. Allerdings werden die Unternehmensgewinne zukünftig wohl weniger stark ansteigen, denn weniger Wirtschaftswachstum führt im Trend auch zu geringeren Gewinnen – es sei denn, den Unternehmen gelingt es, ihre Margen mit geringeren Kosten zu verteidigen.

Da die deutsche Wirtschaft mit ihrer hohen Exportquote von fast 40  Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung zu den potenziellen Verlieren der neuen weltpolitischen Ordnung gehören könnte, dürfte es für die meisten Unternehmen im Dax eine besondere Herausforderung sein, ihre Erträge in der bislang gekannten Form zu steigern. Anleger müssen von daher die Gewinnentwicklung besonders im Blick behalten. Dies gilt aber nicht nur für den Dax, sondern für viele europäische Aktien und Indizes.


Carsten Klude ist Chefvolkswirt von M.M.Warburg & Co. Bei Capital schreibt er regelmäßig zu Konjunktur- und Makrothemen.