KommentarDas Comeback von Friedrich Merz hat dem Land gut getan ...

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#4 Die komplizierte Versöhnung mit rechtsaußen

Friedrich Merz hat in diesem Sommer den Ludwig-Erhard-Preis abgelehnt. Begründet wurde das damit, dass er nicht mit dem Stiftungschef auf einer Bühne stehen wolle. Dieser betreibt einen Blog, er ist ein Grenzgänger oder Scharnier zum rechtskonservativen Lager, keine Stimme der AfD, aber gezielt Richtung AfD.

Oft geht es dabei um Flüchtlinge. Im Nachhinein ist dieses Ereignis überaus symbolisch: Alle jene, die gehofft hatten, ein konservativer Nachfolger würde nach Merkel alle Enttäuschten zusammenführen, die wegen der Sozialdemokratisierung, der Eurorettung und der Flüchtlingskrise ihre Heimat in der Union verloren haben – nun, die werden ebenfalls enttäuscht. Die Markt liberalen leben nicht mit der Flüchtlingswut, oder nicht zwingend.

Kann Merz dennoch AfD-Wähler zurückholen? Zumindest all jene, die die Partei im Herzen verachten, sie aber aus Protest gewählt haben. Bald wird sich zeigen, wie fest oder hohl der Kern der AfD ist.

#5 Die Wirtschaft von Gut und Böse

Die Wirtschaft erlebt ein Comeback. Das ist die erste Hoffnung der Mittelstands- und Wirtschaftskreise in der Union, die seit Jahren mit erstarrt geballter Faust in der Tasche herumrennen. Es ist auch die Hoffnung von vielen Unternehmern. Nach zehn Jahren Umverteilung könnte Merz die ersten Reformen seit 2005 vordenken und anschieben, mal wieder anstreben, einen größeren Kuchen zu backen, als ihn nur zu verteilen. AKK würde das nicht so tun, sie kommt aus der Schule von Heiner Geißler, aus der katholischen Soziallehre – die, das darf man nicht unterschätzen, wichtig für und gewichtig in der CDU ist.

Ein Comeback also, einerseits. Gleichzeitig ist die Wirtschaft wieder böse – und wird noch böser werden. Die ersten Reaktionen auf Merz, der für die „Finanzkrake“ („Spiegel“) Blackrock arbeitet und dessen Reichtum nun argwöhnisch kommentiert wird, waren reflexhaft, aber das wird das Muster werden. Die SPD-Vize Manuela Schwesig hielt ihm vor, er habe „Kasse gemacht“. Die Grünen-Co-Chefin Annalena Baerbock hielt es für einen „Skandal“, dass Blackrock mehr Geld habe als manche Länder (offenbar in Unkenntnis darüber, dass Blackrock diese Gelder nur für andere verwaltet – vermutlich auch für Zehntausende Deutsche, die mal einen ETF gekauft haben.)

Mit Merz, so der Tenor, übernimmt der Finanzkapitalismus die Macht. Was für eine epische Schlacht 2021, auch wenn das Klischee Unsinn ist: nicht Kapital gegen Arbeit, sondern Kapital gegen Umwelt. Wer aufseiten der Guten stehen will, wählt Grün; wer Mut zur Krake und zum Kuchen hat, wählt Merz. Klischees und Konflikte leben auf, die in einer Zeit, in der alle Mitte und Mutti waren, verblasst sind.

Ja, es wird wieder Gräben geben; das wird gut sein, dass man sich entscheiden kann und weiß, in welche Richtung es gehen soll. Gut aber nur, wenn wir diese Gräben nicht zu tief und schäumend ausheben. Das kann sehr hitzig werden. Selbst wenn Merz also heute scheitert: Schon jetzt hat sich etwas bewegt.