FinanzevolutionDämpfer für die Blockchain

Seite: 2 von 2

Das Konstrukt ist für Außenstehende schwer zu verstehen, denn bei DAO handelt es sich genau genommen um einen übergeordneten Smart Contract (übrigens hier einsehbar) einer anderen Plattform, die Ethereum heißt. Ethereum wiederum ist eine dem Bitcoin ähnliche Kryptowährung, die aber zusätzlich eine Entwicklungsumgebung für Smart Contracts bietet.

Um sich an DAO zu beteiligen, mussten Interessenten zunächst die Ether-Token erwerben, um diese dann in DAO-Token zu wechseln. Das kann man sich so vorstellen, als wenn man seine Zahlungsmittel zunächst in Zigaretten eintauscht, um diese dann in Zigarren zu wechseln, die dann erst zum Erwerb weiterer Produkte verwendet werden können. Mit den DAO-Token sollen so Investments in andere Ethereum-Projekte getätigt werden können.

Raub oder Umbuchung?

Wenn man das komplizierte Begriffsgetümmel aus Smart Contract, Blockchain, Ethereum beziehungsweise Ether weglässt, dann klingt die Philosophie von DAO wie die eines digitalen Investmentfonds, der nach „demokratischen“ Grundsätzen von den Anlegern direkt verwaltet wird. DAO schließt Verträge, um daraus Gewinne zu erzielen. Der Altcoinspekulant bezeichnet das Projekt als eine Symbiose aus Social Lending, Crowdfunding und Private Equity.

Mitte Juni machte DAO Schlagzeilen, weil ein bisher Unbekannter das Projekt um 56 Mio. US-Dollar „virtuell beraubte“. Ob es tatsächlich ein Raub war oder nur eine Umbuchung, die zwar unerwartet war, jedoch den DAO-Regeln entsprach, ist unter Fachleuten umstritten. Einige schreiben, der Angreifer habe einen Fehler im Programmcode genutzt und das Geld ohne Zustimmung der anderen DAO-Investoren in eine Art „Tochtergesellschaft“ abzweigen können. Dort war es dem Zugriff der anderen Anteilseigner entzogen. Der vermeintliche Angreifer selbst spricht davon, er habe nur die Regeln der Smart Contracts ausgenutzt, weswegen man nicht von Diebstahl sprechen könne. Er habe nur vertragskonforme Möglichkeiten genutzt.

Der DAO-Hack ist eine ernste Prüfung für das Konzept der Smart Contracts und legt einige Schwächen offen. Dazu gehört, dass es schwerer als gedacht ist, übereinstimmende Willenserklärung in einen Programmcode zu übersetzen. Bei per Blockchain-Technologie gesteuerten Verträgen geht es nur um rein maschinell gesteuerte Wenn-dann-Beziehungen und nicht mehr um menschliche Werturteile. Ist eine Bedingung A erfüllt, dann wird automatisch B (zum Beispiel eine Zahlung) ausgeführt. Wie die Bedingung zustande kommt, ist der Maschine egal. Axel Kannenberg weist auf einen anderen Schwachpunkt hin. Programmier-Laien können vor der Einwilligung in einen solchen smarten Vertrag nicht wissen, ob der Code wirklich das ausführt, was versprochen ist.

Gescheitert ist hier nichts

DAO wurde mittlerweile unter Federführung der Entwickler auf eine sichere Ethereum-Adresse (WhiteHatDAO) übertragen, übrigens unter Ausnutzung der gleichen Lücke. Die Communities von DAO und Ethereum diskutieren über verschiedene weitere Maßnahmen. Es ist aber umstritten, ob diese im Einklang mit der bisherigen Philosophie von Smart Contracts stehen. Hier soll ja eigentlich gelten: “Code is law.

Das Konzept der Smart Contracts wegen der Probleme abzuschreiben, ist vollkommen verfrüht. Viele Innovationen in den letzten Jahrhunderten haben Jahre oder Jahrzehnte bis zur Anwendungsreife gebraucht. Man hat etwa die Weiterentwicklung des Autos auch nicht nach den ersten Unfällen eingestellt. Der Hype um die Blockchain war zu groß geworden und bisher hat kaum jemand über die praktischen Fragen konkreter Anwendungsfälle geredet. Das hat sich nun geändert und ist gut so. Gescheitert ist hier nichts. Erwachsen werden neue Technologien erst nach Rückschlägen.