Capital-Podcast„Ich halte nichts davon, ein Datum für den Exit zu nennen”

Jens Südekum
Jens SüdekumPR


Der Corona-Schock hat Deutschland und die ganze Welt in eine tiefe Krise gestürzt. Aber was macht diese Krise so besonders? Wie verändert sie unser Leben? Und welche Auswege gibt es? Der Capital-Podcast „Die Stunde Null – Deutschlands Weg aus der Krise“ stellt diese Fragen den Menschen, die durch die Krise steuern: Unternehmern, Wissenschaftlern, Managern, Philosophen und Ökonomen


Während erste Stimmen eine Rückkehr zum Normalzustand fordern, hält sich die Bundesregierung in der Debatte um eine Exit-Strategie – also ein Ende der Beschränkungen im öffentlichen Leben – zurück. Erst nach Ostern werde entschieden, wie es weitergeht.

Aus Unternehmerkreisen werden dagegen schon Warnungen laut: Läuft die Wirtschaft nicht Ende April wieder an, könnte ein irreparabler Schaden drohen, warnte Continental-Aufsichtratschef Wolfgang Reitzle zuletzt im Interview mit Capital. Denn auch die meisten Konzerne könnten die aktuelle Lage nicht länger als einige Monate aushalten.

Auch Jens Südekum, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität, beschäftigt sich viel mit künftigen Exit-Szenarien. Als einer der wichtigsten Ökonomen Deutschlands berät er seit einiger Zeit die Bundesregierung. Für eine erfolgreiche Exit-Strategie bedarf es dabei mehrerer Perspektiven, rät er. „Da findet aus meiner Sicht noch ein bisschen zu wenig interdisziplinärer Diskurs statt.“ Neben Ökonomen sollten daher auch Virologen zu Wort kommen.

Hochfahren nur kontrolliert möglich

Außerdem dürfe man die Fallzahl und das Risiko einer zweiten Infektionswelle dabei nicht außer Acht lassen. Ein Hochfahren der Wirtschaft sollte daher unter den richtigen Bedingungen erfolgen. „Ich halte nichts davon, ein Datum für den Exit zu nennen”, sagt Südekum. Erst, wenn die Virus-Verbreitung unter Kontrolle sei, könne die Wirtschaft wieder Fahrt aufnehmen. „Wann diese Bedingungen erfüllt sind, kann man jetzt noch nicht sagen“, so Südekum. Denn noch arbeite man aber daran, die Fallzahlen zu senken.

„Die Stunde Null –Deutschlands Weg aus der Krise“: Der neue Capital-Podcast mit Capital-Chefredakteur Horst von Buttlar

Nur schrittweise und kontrolliert könne das Leben und die Wirtschaft zum Normalzustand zurückkehren. „Es ist naiv zu glauben, am Tag X sind wir wieder zurück im Stadium vorher“, sagt Südekum. Schulen und Kitas könnten früh wieder öffnen – auch um Beschäftigte mit Kindern zu entlasten. Auf den Besuch von Bundesligaspielen und anderen Großveranstaltungen müssten die Bürgerinnen und Bürger aber noch länger verzichten, prognostiziert der Ökonom. „Alles hängt an dieser zentralen Frage, ob wir es schaffen, schnell die Infrastruktur aufzubauen, die es am Tag nach dem Ende des Shutdowns braucht.“

Akute Lösungen für ein akutes Problem

Und auch Europa sollte die Bundesrepublik dabei nicht aus dem Blick verlieren, rät Südekum. Denn die Krise in Italien, Spanien und Portugal werde auch in der deutschen Exportindustrie Spuren hinterlassen. Man müsse deshalb über neue Instrumente nachdenken. „Die Idee der Corona-Bonds – also der einmaligen Ausgabe einer gemeinsamen Anleihe – halte ich für absolut richtig“, sagt Südekum.

Alternative Hilfsprogramme wie der Euro-Rettungsschirm würden beim jetzigen Schuldenstand der betroffenen Länder zu kurz greifen. Müssten die Länder es aus eigener Kraft aus der Krise schaffen, könnte der Corona-Krise später eine Eurokrise folgen. Die gesamteuropäische akute Krise, erfordere deshalb eine akute Lösung.

Im neuen Podcast „Die Stunde Null –Deutschlands Weg aus der Krise“ spricht Capital-Chefredakteur Horst von Buttlar mit Menschen, die die Corona-Krise und ihre wirtschaftlichen Folgen hautnah erleben. Außerdem stellt er in jeder Folge eine Initiative vor, die kreative Antworten auf die Probleme der Pandemie findet. In der zweiten Folge sind das Mitarbeiter der Volkswagen AG, die in Kliniken aushelfen.


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