Interview„China hat keine Freunde“

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„Es spricht nichts gegen Huawei als Ausrüster“

Wie also sollen wir uns verhalten?

Wichtig ist, die Geopolitik von der Ökonomie zu trennen. Das ist ein gesundes Prinzip.

Was bedeutet das?

Das heißt: Spitzentechnologien mit militärischer Bedeutung müssen natürlich geschützt werden. Auch was geistiges Eigentum angeht, sollte man vorsichtig sein.

Es gibt ja dazu eine konkrete Debatte in Deutschland: Wer baut die 5G-Technologie auf? Lassen wir Huawei als Ausrüster weiter rein?

Wenn das Angebot günstig ist, spricht nichts dagegen, mit Huawei als Ausrüster zusammenzuarbeiten. Es gibt ja einen starken Bedarf, dass das Netz in Deutschland ausgebaut wird. Aber natürlich ist es wichtig, dass die Sicherheit gewährleistet ist und keine deutschen Geheimnisse das Land verlassen. Die Antwort ist also nicht nur eine politische, sondern auch eine technologische. Es gibt da keinen unüberbrückbaren Gegensatz.

Es gibt also keine eindeutige Antwort auf die Frage: Abschotten oder nicht?

Man sollte sich öffnen, aber selbstbewusst seine Stärken ausspielen. Ob im Ingenieurwesen, im Bereich Unternehmensführung oder in politischen Normen. Das sind auch Exportgüter. Die Datenschutzgrundverordnung der EU ist ein globaler Standard geworden. Das sind die europäischen Mittel gegen einen Überwachungsstaat.

Es gibt das Papier des Bundeswirtschaftsministers Peter Altmaier, der dazu aufrief, europäische Champions zu etablieren. Kopieren wir damit nicht die Chinesen?

Es muss eben auf europäischer Basis geschehen. Ich halte diesen Gedanken durchaus für gerechtfertigt. Es gibt einen globalen Wettbewerb konkurrierender Industriepolitiken. Und die Frage ist, ob Europa sich daran beteiligt oder davon überfallen wird. Es hat keinen Sinn, Asien hinterzulaufen, wie die USA es tun.