VerspätungenFluch-Hafen

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Fluggäste zu kontrollieren ist Aufgabe des Staates. Doch die Bundespolizei überträgt sie gern an private Sicherheitsdienstleister wie Kötter oder Securitas, um Kosten zu sparen. Der Preis ist bei der Vergabe oft entscheidend. Entsprechend knapp kalkulieren die Auftragnehmer den Personaleinsatz. Als in Düsseldorf dann Passagierzahlen und Krankmeldungen höher ausfielen als erwartet, bekam Kötter die Lage nicht mehr in den Griff.

Die Bundespolizei hat nun weitere Sicherheitsfirmen für den Rhein-Ruhr-Airport angeheuert, bei Bedarf setzt sie auch eigene Leute ein. Die Lage hat sich entspannt. Aber vielleicht liegt das auch nur daran, dass im Winter weniger Menschen fliegen.

Capital hat die Geschäftsführer von Berlin-Tegel, Hamburg und Düsseldorf um Stellungnahme zu den Zuständen auf ihren Flughäfen gebeten. Alle drei Airport-Chefs lehnten ein Gespräch ab – und verwiesen auf den Flughafenverband ADV. Dessen Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel wiegelt erst einmal ab. Laut Umfragen sei die Zufriedenheit der Passagiere deutscher Flughäfen „weiter auf hohem Niveau“: 80 Prozent der Reisenden hätten sich zufrieden oder sehr zufrieden geäußert. Viele Gepäckprobleme seien „Einzelereignisse“ oder bloß Resultat von Umbaumaßnahmen auf den Flughäfen.

Allerdings räumt selbst der Lobbyist Beisel ein: „Die Passagier- und Handgepäckkontrollen sind manchmal ein großes Ärgernis.“ Es dürfe nicht passieren, „dass ein Dienstleister nicht in der Lage ist, in Spitzenzeiten ausreichend Personal hinzustellen, sodass das System kollabiert“. Die Flughäfen seien dafür nicht verantwortlich. Aber: „Wir bieten der Bundespolizei an, diese Tätigkeit in die Verantwortlichkeit der Flughäfen zu überführen. Wir haben vielleicht ein besseres Händchen bei der Steuerung privater Dienstleister.“

Schwierige Personalsuche

Doch das stimmt nur bedingt. In Bremen etwa gab es bis Anfang 2017 kaum Ärger mit dem Gepäck. Dann lagerte der Flughafen die Abfertigung in eine neue Tochtergesellschaft mit niedrigeren Löhnen aus. 40 von 140 Mitarbeitern gingen in dieser Zeit oder wurden gekündigt. Das Ergebnis: Dauerchaos zur Hauptreisezeit. Mehrmals mussten Passagiere stundenlang am Band warten. Einmal hob eine Maschine sogar ohne das Gros der Koffer ab, weil sie niemand rechtzeitig einräumte. Vorübergehend war die Personalnot so groß, dass sich Feuerwehrleute und Verwaltungsmitarbeiter an die Gepäckbänder stellen mussten. Wie die Gewerbeaufsicht herausfand, erhielten einige Aushilfen nicht einmal die vorgeschriebene Sicherheitseinweisung fürs Rollfeld.

Dass sich die Lage bessert, ist kaum zu erwarten. Experten sagen weiter steigende Passagierzahlen voraus, und viele Gepäckdienstleister finden kaum noch Personal. Wie der Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt erzählt, versuchen auf mehreren Flughäfen derzeit sogar Gepäckabfertiger, zur Security zu wechseln, denn da gibt es mehr Geld, und es ist warm und trocken.

Klaus Leßlauer hat eine Idee. „Der Staat müsste Standards für Bodenverkehrsdienste festlegen“, sagt der Abfertiger. „Jede Airline muss pro Turnaround einen vernünftigen Mindestbetrag bezahlen und bekommt dafür eine vernünftige Leistung.“ Die Dienstleister könnten dann mehr Personal bezahlen, die Airlines bekämen ihre Frachträume schneller leer, die Passagiere müssten nicht so lange am Gepäckband warten. Hat nur einen Haken: Die Flugtickets würden teurer.

Die Geschichte erschien erstmals in Capital Ausgabe 02/2018