VerspätungenFluch-Hafen

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Neun Euro Stundenlohn

In Hamburg zahlte der Bodendienstleister HAM Ground, der mit der Wisag konkurriert, bis vor Kurzem Einstiegslöhne von neun Euro pro Stunde. Die Folge war eine Personalnot, die so weit eskalierte, dass HAM-Ground-Mitarbeiter im Sommer mehr als 100 Gefährdungsanzeigen stellten. Sie warnten, wegen andauernder Überlastung könne es zu Gesundheitsproblemen oder Qualitätseinbußen kommen. Als es dann Krankmeldungen hagelte, war der Gepäckstau unvermeidlich.

Wie der Hamburger FDP-Politiker Michael Kruse mit einer Anfrage beim Senat herausfand, vergingen im Januar 2017 im Schnitt 21 Minuten, bis alle Gepäckstücke einer Maschine auf dem Band waren. Im Juli waren es bereits 32 Minuten. Kruse ist überzeugter Liberaler. „Aber wenn die Vergütung für diese anstrengenden Tätigkeiten nur knapp über dem Mindestlohn liegt, dann reicht das nicht, um in Zeiten von Fachkräftemangel den notwendigen Personalbedarf sicherzustellen.“

Flughafenchef Michael Eggenschwiler (dessen Gehalt 2016 von 367.448 auf 409.135 Euro stieg) wies jede Verantwortung für die Überlastungsanzeigen von sich – obwohl die HAM Ground eine Tochter des Flughafens ist. Der hat 2016 immerhin 53 Mio. Euro Profit gemacht, bei knapp 300 Mio. Euro Umsatz.

„Die Flughäfen investieren Millionen in Einkaufswelten, Restaurants und Parkplätze – dorthin, wo sie viel Geld verdienen“, sagt der Luftfahrtexperte Gerald Wissel, Chef des Hamburger Beratungshauses Airborne Consulting. „Aber bei den Pflichtleistungen wie Gepäck oder Bodenabfertigung geht es vor allem ums Auslagern und Kostensparen.“

Immerhin hat HAM Ground die Löhne zuletzt stufenweise erhöht. Dennoch ist die Personalsuche mühsam. Und weil die vorgeschriebene Sicherheitsüberprüfung im Schnitt länger als einen Monat dauert, springen in der Zwischenzeit viele Bewerber wieder ab.

150 Gefährdungsanzeigen stellten im August Mitarbeiter des Personencheck-Dienstleisters am Flughafen Düsseldorf. Für eine „fehlerfreie Kontrolle und absolute Luftsicherheit“ könnten sie wegen der „hohen psychischen Belastung“ nicht mehr garantieren, warnten die Beschäftigten der Firma Kötter. Im Sommer fehlten dem Flughafen zeitweise 70 bis 100 von 400 Kontrolleuren. Vom Rest meldeten sich bis zu 20 Prozent krank. Vor dem Security-Check stauten sich Menschenmassen. Teils kam es zu tumultartigen Szenen, als Passagiere ihre Flüge verpassten.

Wie kann es sein, dass jeder fünfte Security-Beschäftigte krank ist? „Gesunde Betriebe haben selten mehr als fünf Prozent Krankenstand“, sagt der zuständige Gewerkschaftssekretär Özay Tarim. „Aber bei der Firma Kötter war die Belastung so hoch, dass die Leute nicht mehr konnten. Wir haben die Bundespolizei und Kötter Monate vorher gewarnt, dass das Personal nicht reichen wird.“