GastkommentarChampions League-Reform: Warum die Super-Liga nicht kommen darf

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Müssen die wenigen Top-Klubs unbedingt mehrere gleichwertige Spieler für jede Position haben, die am Ende aber nicht alle spielen können – was regelmäßig dazu führt, dass einige auf der Bank oder gar auf der Tribüne schmoren? Würde man eine solche Spielerhortung bei den Top-Klubs nicht zulassen, könnte sich die spielerische Klasse wieder auf mehrere Klubs verteilen. Und nicht zu vergessen: Eine geschlossene Liga ist letztlich auch kein Garant für sportliche Spannung. Der US-amerikanische Teamsport zeigt, dass auch geschlossene Ligen regulierende Maßnahmen brauchen, um sportliche Ausgeglichenheit zu sichern. Warum also nicht schon jetzt schärfer regulieren, um für mehr Spannung in den nationalen Ligen zu sorgen?

Möglicherweise ist die Suche nach einem Wettbewerb der weltbesten Spieler und weltbesten Klubs aber auch nur ein Reflex auf die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung. Wenn sich die Welt internationalisiert und globalisiert, warum soll der Fußball dann an den alten Strukturen festhalten? Hier ist Vorsicht geboten.

Die Globalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft hat gezeigt, dass ein solch grundlegender Prozess behutsam gestaltet werden muss. Die aktuellen politischen und gesellschaftlichen Spannungen sind auch das Ergebnis der unzureichend gestalteten Globalisierung. In der Wirtschaft haben sich in einigen Bereichen „The winner takes it all“-Märkte gebildet. Es gibt einen oder einige wenige Gewinner und viele, die nicht profitieren oder gar verlieren. In diese Richtung bewegt sich auch der Fußball. Zahlen der „European Leagues“ zeigen: Schon in den letzten Jahren haben die größten 15 Klubs aus den UEFA-Erlösen von Medienrechten und neuen Medien mehr als drei Mal so viel wie die übrigen 700 Profiklubs verdient. Mit der angedachten Champions-League-Reform würde sich die Situation wohl weiter zuspitzen.

Ein Fall für Kartellrechtler

Zudem wurden bei der Globalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft regionale Bindungen und Identifikationspunkte unterschätzt. Bei Fußballfans hat Identifikation einen ganz besonderen Stellenwert. Die meisten Fans wollen nicht einfach nur hochklassigen Fußball von irgendwelchen Weltstars sehen, sie fiebern in erster Linie mit ihren Lieblingsklubs. Die Weltstars sind nur das Sahnehäubchen.

Gewachsene Identifikation zu ignorieren und „The winner takes it all“-Mechanismen zuzulassen, hat Spaltungspotential – im Fußball wie im richtigen Leben. Von den Reformplänen geht deshalb die Gefahr aus, die Fußballfamilie zu spalten. Mit einem quasi-geschlossenen System würden sich im Fußball Parallelwelten entwickeln. Ob sich der kommerzielle Erfolg dadurch insgesamt steigern ließe, darf trefflich bezweifelt werden. Es ist deshalb an der Zeit, dass sich Kartellrechtler und Wettbewerbsökonomen genauer anschauen, ob die Reformvorhaben nicht ein Verstoß gegen geltende Wettbewerbsregeln sind – denn letztlich zielen die Reformen ja darauf, mit einem „closed shop“ Außenseiterkonkurrenz zu unterbieten.


Um die Reformpläne für die Champions League und Entwicklung auf dem Markt für Fußball-TV-Rechte geht es auf der 6. Fußball-Ökonomie-Konferenz des Hamburgischen Weltwirtschafts-Instituts (HWWI) und von Fussball-Oekonomie.de am 15. August in Hamburg. Bei der hochkarätig besetzten Konferenz ist Capital Medienpartner.