FußballCapital erklärt: Fußball-Bundesliga in der Corona-Krise

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Ab dem 16. Mai setzt die Bundesliga ihre Saison mit Geisterspielen fort.imago images / Sven Simon


In unserer Reihe Capital erklärt geben wir einen komprimierten Überblick zu aktuellen Wirtschaftsthemen. Diesmal: die Bundesliga-Saison – mit Redakteur Thomas Steinmann, der bei Capital schwerpunktmäßig für Energie- und Sicherheitspolitik und Fußball zuständig ist.


Am Wochenende setzt die Fußball-Bundesliga ihre Saison mit Geisterspielen und unter Einhaltung eines Hygienekonzepts fort. Ist dieses Konzept wirklich durchdacht?

Das Hygienekonzept wurde unter Mitwirkung zahlreicher Experten entwickelt. Es ist sehr umfangreich, da werden auf 50 Seiten selbst die kleinsten Details geregelt. Zum Beispiel, dass die Profis ihre Trainingskleidung selbst in die Waschmaschine packen sollen, um die Zeugwarte zu schützen, oder dass sie nach Toren nur per kurzen Fuß- oder Ellbogenkontakt jubeln dürfen. Auf dem Papier ist das also schon sehr durchdacht und geeignet, die Ansteckungsgefahr zumindest deutlich zu reduzieren. Aber entscheidend ist die Umsetzung. Und da lassen beispielsweise die Szenen aus der Kabine von Hertha BSC, die der Spieler Salomon Kalou kürzlich über Facebook Live dokumentiert hat, daran zweifeln, dass jeder Spieler oder Betreuer das Konzept im Alltag exakt befolgt. Im Bundesligabetrieb sind eben auch viele Menschen unterwegs, für die Corona erst einmal ein abstraktes Thema ist – so wie in anderen Bereichen auch.

Die Fußball-Bundesliga geht weiter, andere Mannschaftssportarten pausieren hingegen. Wieso diese Ausnahmeregelung?

Bei der Entscheidung, ob die verschiedenen Profiligen ihren Betrieb fortsetzen wollen oder die Saison abbrechen, waren bislang weniger die Politik oder die Behörden ausschlaggebend. Es ging eher um ökonomische Erwägungen. Dass der Fußball alles dafür tut, die Saison irgendwie mit Geisterspielen fortzusetzen, während etwa die Handball- und die Volleyball-Bundesliga einen Saisonabbruch bereits beschlossen haben, hängt mit einer wirtschaftlichen Ausnahmestellung zusammen: Der Profifußball finanziert sich in erheblichem Maße über die Vermarktung von Medienrechten. Die Bundesliga erzielte zuletzt fast 40 Prozent ihrer Erlöse aus dieser Quelle. Da das Geld der Rechteinhaber wie Sky nur dann vollständig fließt, wenn die Saison weitergespielt wird, ergeben Geisterspiele aus Sicht der DFL und der Vereine absolut Sinn, um die Medienerlöse zu sichern.

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Für andere Profiligen etwa im Handball oder Volleyball sind Geisterspiele dagegen unattraktiv. Denn in diesen Sportarten sind die Ticketerlöse die mit Abstand wichtigste Einnahmequelle und TV-Erlöse spielen nur eine untergeordnete Rolle. Spiele mit Publikum werden auf absehbare Zeit für keine Sportart erlaubt sein. Was die grundsätzliche Genehmigung des Spielbetriebs durch die Politik angeht, ist also keine Sonderregelung für den Fußball erkennbar. Das sieht man etwa daran, dass auch die Basketball-Bundesliga ihre Saison fortsetzen will. Sie plant mit einem Teil der Vereine eine verkürzte Finalserie an einem Austragungsort – ohne Zuschauer.

Enger Kontakt lässt sich im Fußball schwer vermeiden, etwa in Zweikämpfen. Besteht dabei nicht theoretisch Ansteckungsgefahr?

Natürlich besteht durch engen Körperkontakt ein Risiko, das Virus zu übertragen. Deshalb ist es ja das oberste Ziel des Hygienekonzepts der DFL, von Vorneherein zu verhindern, dass infizierte Spieler überhaupt auflaufen. Das soll dadurch sichergestellt werden, dass man die Profis engmaschig testet. Die Spieler müssen alle paar Tage zum Test.