ManagementDas sind Deutschlands beste Innovationslabore

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Gerade für Letztere wird mit neuen Formen experimentiert. Bei vielen Unternehmen laufen Projektwettbewerbe im Stil der Fernsehsendung „Die Höhle der Löwen“. Mitarbeiter dürfen sich mit Ideen bewerben und die Ideen anderer bewerten. Am Ende müssen sie – wie bei Daimler – vor einer Jury aus Vorständen und Experten von außen präsentieren. Manche lernen dabei, unternehmerisch zu denken, andere entdecken den Erfinder in sich. Manche stellen fest, dass all das nichts für sie ist, und kehren zurück in ihren angestammten Job. Auch das gehört dazu, wenn Konzerne Innovationen produzieren wollen.

An der Spitze der von Capital und Infront getesteten Innovationsteams stehen zum Teil Unternehmen, die schon im vergangenen Jahr ganz oben mit dabei waren. Darunter der Lufthansa Innovation Hub, der eine besondere Fähigkeit entwickelt hat, Ideen schnell groß zu machen, also zu „skalieren“, wie es in der Szene heißt. Oder WATTx, ein Ableger des Heiztechnikunternehmens Viessmann, der mittlerweile Unternehmensaufbau als Dienstleistung für andere Mittelständler anbietet.

Es finden sich an der Spitze aber auch neue Teams wie das Digital Base Camp des Industriegaseherstellers Linde. Oder die Deutsche Bahn, die mit ihrem Accelerator Mindbox vor allem bei der Steuerung durch den Konzern punktet. Insgesamt wird es an der Spitze enger – was zeigt, dass immer mehr Labore ihre Lehren aus früheren Fehlern ziehen oder von anderen lernen.

Bei Großkonzernen wie der Bahn spielt ein Problem eine Rolle, mit dem sich Mittelständler nicht herumschlagen müssen. Bei vielen Marken und Geschäftsbereichen gibt es oft nicht nur eine, sondern eine ganze Armada von Innovationsschmieden. Deren Aufgaben muss man irgendwie voneinander abgrenzen. So operiert der Volkswagen-Konzern mit einem weltweiten Netzwerk von fast 40 Teams, in denen nach Angaben des Unternehmens über 2.000 Experten arbeiten. Einige von ihnen wie das Porsche Digital Lab oder das Data:Lab des Konzerns in München finden sich auch in der Bestenliste wieder. Die große Kunst wird darin bestehen, die vielen Ansätze aufeinander abzustimmen und zu verhindern, dass mehrere Teams parallel nach dem gleichen Stein der Weisen suchen.

Keine Lust aufs Haupthaus

Noch etwas fällt auf: Welches Lab man auch besucht, überall loben die Mitarbeiter die Freiräume, die sie nach wie vor genießen – trotz der strengeren Blicke aus den Vorstandsetagen. Oft wird noch unterschieden zwischen der eigenen Welt und der Kernorganisation, in der alles angeblich langsamer und umständlicher läuft. Daraus ergibt sich ein weiteres Problem für die Konzerne. Die Bereitschaft der Innovationsteams, ins Haupthaus zu wechseln, ist in der Regel nämlich ausgesprochen gering. „Wäre ich nicht in dieser Einheit gelandet, hätte ich mit Sicherheit bald gekündigt“, sagt etwa eine leitende Mitarbeiterin eines Labors.

Das heißt konkret: Aus den Innovationsteams lassen sich kaum Führungskräfte fürs Kerngeschäft rekrutieren. „Das sind High Potentials“, sagt Sindemann. „Das wird aber oft gar nicht genutzt, auch weil die betreffenden Kandidaten ihre Freiheiten nicht aufgeben möchten.“

Fremdkörper bleiben die Labore also nach wie vor, wie Philipp Karmires vom Linde Digital Base Camp einräumt. Auch wenn die Konzerne zunehmend überzeugt sind, dass sie diese Fremdkörper brauchen.