KolumneBye-bye Blackberry!

Bernd Ziesemer© Martin Kess

Bernd Ziesemer ist Capital-Kolumnist. Der Wirtschaftsjournalist war von 2002 bis 2010 Chefredakteur des Handelsblattes. Anschließend war er bis 2014 Geschäftsführer der Corporate-Publishing-Sparte des Verlags Hoffmann und Campe. Ziesemers Kolumne erscheint jeden Montag auf Capital.de. Hier können Sie ihm auf Twitter folgen.


Letzten Freitag poppte eine unangenehme Nachricht auf meinem Blackberry auf: In spätestens sechs Monaten kann ich den Nachrichtendienst Whatsapp nicht mehr auf meinem Gerät nutzen. Die Betreiber machen sich nicht mehr die Mühe, ihre Software an ein Smartphone anzupassen, das immer weniger Menschen nutzen. Da Whatsapp inzwischen zu einer sehr wichtigen Kommunikationsplattform für mich geworden ist, denke ich nach über zehn Jahren erstmals über einen Wechsel zu einer anderen Marke nach. Und wie ich machen das wahrscheinlich sehr viele andere Nutzer auch. Uns bleibt gar nichts anderes übrig, wenn viele Apps nicht auf einem Blackberry funktionieren.

Im letzten Jahr verkaufte Blackberry weltweit nur noch 8,5 Millionen Geräte – 2011 waren es noch sechsmal so viele gewesen. Damit geht eine Ära zu Ende: Das kanadische Unternehmen mit dem merkwürdigen Namen Research in Motion (RIM) läutete 1999 das Zeitalter der grenzenlosen Kommunikation ein – gerade für Manager. Der Blackberry war für sie so etwas wie ein mobiles Büro, rund um die Uhr und rund um den Erdball einsetzbar. Damit veränderte sich der Takt im Management (nicht immer zum Vorteil der Führung), die direkte Kommunikation eines Vorstands mit Mitarbeitern und Kunden explodierte, Entscheidungen beschleunigten sich und eine Art virtueller Dauerpräsenz setzte sich durch.

Wenn irgendetwas zum Statussymbol einer neuen Managergeneration wurde, dann war es der Blackberry. Viele Manager liebten ihn – und lieben ihn irgendwie noch immer, auch wenn sie bei vielen neuen Geräten auch viel leiden mussten, wenn wieder einmal irgendetwas nicht richtig funktionierte.

Lasst uns gefälligst in Ruhe!

Natürlich hören wir überzeugten Blackberry-Fans künftig nicht auf, mobil zu kommunizieren. Viele Manager sind in den letzten Jahren bereits auf ein iPhone umgestiegen. Und doch gibt es auf dem riesigen Smartphone-Markt bis heute kein anderes Gerät, dass so auf die spezifischen Bedürfnisse von Managern zugeschnitten ist wie der Blackberry. Für Apple sind die Business-Nutzer nur eine Zielgruppe von vielen. Was zählt, ist der Massenmarkt, der nach immer neuen Modellen verlangt und den Amerikanern daher immer neue Milliardengewinne beschert, während RIM schon mehrfach vor der Pleite stand.

Und das ist auch die eigentliche ökonomische Lehre des Blackberry-Niedergangs: Technischer Vorsprung sichert auf Dauer in einem Markt für Endkonsumenten keine auskömmliche Position. Die Technik muss stimmen, aber eben auch das Design und das Marketing und vieles andere mehr. Und dabei versagte Blackberry nach riesigen Anfangserfolgen. Und noch eine zweite Lehre kann man aus dem Fall ableiten: Es ist äußerst gefährlich, sich in einem Massenmarkt auf eine Nischenposition zurückzuziehen. Selbst wenn diese Nische – in diesem Fall der Markt für hochpreisige Business-Smartphones – zunächst noch sehr attraktiv aussah.

An unseren Business Schools sollten die Studenten deshalb RIM als Standard-Business-Case durchnehmen. Als Beispiel dafür, wie schnell man als Marktführer in einem schnelllebigen Segment absteigen kann. So werden künftige Managergenerationen vielleicht immer noch etwas vom Blackberry hören, auch wenn sie das Gerät schon lange nicht mehr benutzen.

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