MittelstandBora - im Sog des Erfolgs

Meister der Inszenierung: Willi Bruckbauer denkt an die richtigen Farben auf der Herdplatte – und an eine Lampe, die den Dampf und die Saugkraft seines Bora-Abzugs hervorhebt
Meister der Inszenierung: Willi Bruckbauer denkt an die richtigen Farben auf der Herdplatte – und an eine Lampe, die den Dampf und die Saugkraft seines Bora-Abzugs hervorhebtDaniel Delang

In einem Büroturm in Raubling bei Rosenheim belegt sein Unternehmen Bora schon vier Etagen. Vier weitere sind verwaist: Aussortierte Schreibtische stapeln sich in den Fluren, es riecht nach Staub, die Rohrpost benutzt schon lange niemand mehr. Doch Bruckbauer, der das Haus 2015 gekauft hat, sagt: „Ich traue mich nicht zu vermieten. Wir wachsen so schnell, bald werden wir die Fläche selber brauchen.“

Bruckbauer ist ein Pionier der modernen Küche. Das Gerät, das ihn reich und auch ein bisschen berühmt gemacht hat, steht in Möbelhäusern und Küchenstudios auf der ganzen Welt, vertrieben wird es unter einem etwas sperrigen Namen: Kochfeldabzug. Bruckbauer hat die Dunstabzugshaube mitten ins Kochfeld gebaut. Fettspritzer, Dampf und Gerüche werden nicht mehr nach oben, sondern nach unten weggesaugt. Der letzte Schrei für ambitionierte Köche – und seit die Küche ein Statussymbol ist, auch kein Nischenprodukt mehr.

Alle großen Hersteller sind inzwischen auf den Zug aufgesprungen, doch Bora gilt noch immer als der Goldstandard. Reduziertes Design, Qualität vom Feinsten, entsprechende Preise – das Einsteigermodell geht bei 2250 Euro los. Dafür hat Bora diverse Auszeichnungen abgestaubt, zuletzt 2017 einen Red Dot Award, eine Art Design-Oscar.

Ich wollte nie ein Hausgeräteunternehmen eröffnen. Nie! Ich bin Schreiner und kein Industrielenker

Willi Bruckbauer

Die vier oberen Geschosse des Büroturms, die Bora heute schon bespielt, vermitteln einen Eindruck von Bruckbauers Stil: freigelegte Betonsäulen, Massivholz, Milchglasscheiben. In der Mitarbeiterküche gibt es Dinkel statt Weizen, Mandel- statt Kuhmilch, natürlich alles bio. Vor einem Fenster lehnt ein Rennrad aus Carbon. Man könnte sich in Kopenhagen oder Brooklyn wähnen, wäre da nicht der Blick auf die wolkenverhangenen Alpen.

Das ist Bruckbauers Rezept: Er verkauft nicht einfach cooles Design, er verkauft einen Lifestyle. So hat er aus dem Nichts einen Markt erschaffen und seinen Umsatz sechs Jahre in Folge jeweils verdoppelt. Boras Geschichte ist die einer außergewöhnlichen Expansion – und eines Hausgeräteunternehmers, der sagt: „Ich wollte nie ein Hausgeräteunternehmen eröffnen. Nie! Ich bin Schreiner und kein Industrielenker.“

Eine kokette Behauptung angesichts des zweistelligen Millionenbetrags, den Bora jährlich umsetzt. Trotzdem ist da was dran. Bruckbauer, 51 Jahre alt, drahtig, Bartstoppeln, scharfe Züge, hat in der väterlichen Tischlerei gelernt wie sechs, sieben Generationen vor ihm. Oberbayerische Handwerksmeister, verwurzelt in Region, Tradition und Familie. Ausgestattet mit dem Anspruch, jedes Detail zu perfektionieren. Und einer soliden Portion Starrsinn, mit dem sie ihre Ziele verfolgen.