KolumneWarum die Zins- und Inflationsängste übertrieben sind

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Zudem ist der Zusammenhang zwischen der Lohnentwicklung und der Inflationsrate in den USA in den vergangenen Jahren nicht besonders eng gewesen. Der für die US-Notenbank entscheidende Inflationsindikator, die Jahresveränderungsrate des Personal Consumption Expenditure (PCE) Index, lag im Dezember 2017 bei 1,7 Prozent. Die sogenannte Kernrate (ohne Energie- und Nahrungsmittelpreise) betrug sogar nur 1,5 Prozent. Bei über zwei Prozent lag diese Inflationsgröße zuletzt im Jahr 2012, Werte von mehr als drei Prozent wurden zuletzt vor 25 Jahren erreicht. Die in dieser Woche veröffentlichten Konsumentenpreise (CPI-Index) sind im Januar 2018 um knapp 2,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr angestiegen. Dies entspricht genau dem Durchschnitt der vergangenen zwölf Monate. Anfang 2017 lag die Inflationsrate in der Spitze zwischen 2,4 und 2,7 Prozent, ehe sie in den Sommermonaten auf deutlich unter zwei Prozent sank.


source: tradingeconomics.com

Der relativ starke monatliche Preisanstieg von gut 0,5 Prozent im Januar 2018 gegenüber Dezember 2017 scheint zudem durch einige Sonderfaktoren beeinflusst worden zu sein. Hierzu gehört ein deutlicher Anstieg der Kosten für Treibstoffe und für die medizinische Versorgung. Auch die Vermutung, dass die gute globale Konjunkturlage zwangsläufig zu höheren Inflationsraten führen muss, lässt sich im Moment nicht belegen. So ist die durchschnittliche Inflationsrate von fast 70 Ländern seit dem Frühjahr 2017 von 2,9 Prozent auf zuletzt 2,5 Prozent gesunken.

Wie oft wird die Fed die Zinsen erhöhen?

Dennoch ist die Rendite für 10-jährige US-Treasuries seit Mitte Dezember 2017 von 2,35 auf 2,90 Prozent angestiegen. Diese Entwicklung könnte die Annahme widerspiegeln, dass sich die Zeit der global expansiven Geldpolitik langsam ihrem Ende nähert. Für die USA erwarten einige Marktteilnehmer mittlerweile, dass die Fed die Zinsen nicht nur – wie angekündigt – drei Mal in diesem Jahr erhöhen wird, sondern vielleicht sogar vier Mal. Der Blick auf die Fed Funds Futures zeigt allerdings auch, dass dies keineswegs die Mehrheitsmeinung des Marktes ist und sich die Einschätzungen zuletzt kaum verändert haben: etwa 35 Prozent der Marktteilnehmer rechnen mit weniger als drei Zinserhöhungen, knapp 40 Prozent erwarten drei Zinsschritte, und rund 25 Prozent gehen von mehr als drei Zinserhöhungen aus.

Schaut man sich den US-amerikanischen Rentenmarkt genauer an, so zeigt sich, dass es in den vergangenen 25 Jahren immer wieder Phasen gegeben hat, in denen die Renditen innerhalb einer relativ kurzen Zeitspanne deutlich angestiegen sind. Und wie reagierten die Aktienmärkte auf die steigenden Renditen? Fast immer positiv. Diese Reaktion des Aktienmarktes auf steigende Zinsen ist wenig verwunderlich, schließlich sind steigende Renditen fast immer auf ein verbessertes wirtschaftliches Umfeld zurückzuführen. Statt also Angst vor einer weniger expansiven Geldpolitik zu haben, sollte man sich darüber freuen. Denn dies ist ein Signal dafür, dass die Weltwirtschaft langsam zur Normalität zurückkehrt. Da der ein oder andere aber vielleicht schon gar nicht mehr weiß, wodurch sich diese Normalität auszeichnet, mag diese Übergangsphase der Geldpolitik holpriger also sonst üblich verlaufen.

Zur Beruhigung der Heißsporne am Aktienmarkt lässt sich aber sagen, dass der Prozess der Normalisierung der Geldpolitik sehr behutsam vonstattengehen wird. Der neue Fed-Präsident Jerome Powell wird keine grundsätzlich andere Geldpolitik betreiben als seine Vorgängerin Janet Yellen. Selbst wenn die Federal Reserve tatsächlich vier Mal in diesem Jahr die Zinsen erhöhen würde, stände dies immer noch in Einklang mit der Aussage, die Geldpolitik nur vorsichtig zu straffen.

Dagegen ist weder in der Eurozone, noch in Japan eine schnelle Abkehr von der Politik der quantitativen Lockerung in Sicht – und dies wäre eine notwendige Voraussetzung dafür, dass auch diese Notenbanken die Zinsen erhöhen. Der Gouverneur der Bank of Japan, Haruhiko Kouroda, hat zuletzt betont, dass es viel zu früh sei, über eine Abkehr von der lockeren Geldpolitik nachzudenken. Schließlich läge die Inflationsrate mit weniger als einem Prozent immer noch deutlich unter der Zielmarke von zwei Prozent. Ähnlich klingt es bei der Europäischen Zentralbank. Deren Chefvolkswirt Peter Praet wies jüngst nochmals darauf hin, dass die Unsicherheit für den Inflationsausblick im Moment noch viel zu hoch sei, um weitere Anpassungen an der Geldpolitik vorzunehmen. Einen Fehler wie im Jahr 2011, als die EZB aufgrund zwischenzeitlich guter Konjunkturdaten und anziehender Inflationsraten den Leitzins in zwei Schritten von 1 auf 1,5 Prozent erhöhte, nur um noch im selben Jahr feststellen zu müssen, dass dies nur eine temporäre Erholung war, möchte sie wohl keinesfalls ein zweites Mal begehen.