FinanzevolutionBlockchain vor dem Praxistest

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Hier hilft in der Bitcoin-Welt die Blockchain beziehungsweise der „Proof-of-Work“ durch ein offenes Peer-to-Peer-Netzwerk. Die Blockchain dokumentiert die Transaktionen der jeweiligen Tokens. Die Blocks werden durch die Netzwerkteilnehmer (bei Bitcoin Miner genannt) validiert. Wer die Blockchain manipulieren will, der muss nach Auffassung von Fachleuten allein mehr Rechenleistung aufbringen als der ehrliche Teil des Netzwerks zusammen. Beim derzeitigen Stand der Technologie gilt es als unmöglich, die Blockchain zu manipulieren (weitere technische Einzelheiten hier erklärt von Golem). Manche sehen aber bereits Quantencomputer als Gefahr für die der Blockchain zugrundeliegende asymmetrische Kryptografie.

Aber schon jetzt ist der Preis für die Sicherheit hoch, denn die Verifikation von Transaktionen setzt viel Rechenpower voraus. In einem Arbeitspapier des Instituts für Wirtschaftsinformatik der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster schreiben die Autoren:

Wie viel Rechenleistung darin investiert wird, hängt davon ab, was den Nutzern des Systems dessen Sicherheit wert ist, denn mit steigender Rechenleistung werden Angriffe unwahrscheinlicher. Die Rechenleistung ist dabei Treiber für die im Netzwerk anfallenden Kosten, da Hardware beschafft und betrieben werden muss. Ein wichtiger Bestandteil davon sind Kosten für Energie, deren Erzeugung wiederum negative Konsequenzen für die Umwelt hat.

Die Forscher stellen in ihrer vorsichtigen Einschätzung fest, dass die derzeit verwendete Blockchain-Technologie unter Berücksichtigung der Energiekosten kaum Einsparungen zu herkömmlichen Transaktionsmechanismen bringt, wenn man keine Abstriche bei der Sicherheit machen will. Christopher Malmo ist in dem Beitrag “Bitcoin is unsustainable” deutlicher und schreibt:

That makes Bitcoin about 5,033 times more energy intensive, per transaction, than VISA.

Einheitliches Protokoll ist notwendig

Christoph Bergmann macht sich in einem Beitrag “Wie viel Strom verbrät das Bitcoin Netzwerk?” die Mühe, seine Berechnung nachvollziehbar aufzuzeigen und kommt auf Transaktionskosten zwischen 5,14 Euro und 17,14. Offen bleibt dabei, durch welche Protokollmodifikationen beziehungsweise Weiterentwicklungen sich das Energieproblem reduzieren lässt. Klar ist freilich, wer die Blockchain-Technologie für Finanztransaktionen einsetzen will, muss überzeugende Antworten liefern, wie der Validierungsprozess funktionieren soll und welchen Einfluss dies auf Sicherheit haben wird.

Banken dürften ohnehin kein Interesse haben, ihre Transaktionen durch ein öffentliches Peer-to-Peer-Netzwerk validieren zu lassen. Sie werden eher ihre privaten Blockchains  in einem eigenen privaten Netzwerk mit untereinander bekannten Teilnehmern nutzen. Ich hatte bereits früher darauf hingewiesen, dass es wenig nützt, wenn jede Bank an eigenen Methoden im Blockchain-Darkroom tüftelt. Eine notwendige Bedingung ist eine Einigung auf ein einheitliches, möglichst unabhängiges Protokoll. Dies kann ein internationales Gremium vorgeben, durch private Unternehmen (wie etwa R3 CEV), Branchenverbände oder Standardisierungsorganisationen.

Neben den hier aufgeworfenen gibt es viele weitere Fragen, deren Beantwortung für die Umsetzung der Blockchain-Technologie wichtig ist. Ob die Blockchaintechnologie an diesen und anderen hier aufgeworfenen Fragen scheitert, lässt sich heute nicht beantworten. Gut möglich, dass es heute bereits Antworten darauf gibt, die ich nicht kenne. Aber dann wird es 2016 Zeit, diese breiter zu diskutieren.