FinanzevolutionBlockchain - vom Hype zur Ernüchterung

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Blockchain könnte Mittelsmänner ausschalten

In den heute bekannten Blockchains werden die Transaktionen  zu einem digitalen Gut in einer öffentlichen Blockchain dokumentiert und können von jedermann eingesehen werden (für Bitcon auf der Webseite http://blockchain.info). Praktisch hat so jeder die Möglichkeit, alle vergangenen Transkationen  nachzuvollziehen. Für Anwendungsbereiche, für die der Datenschutz wichtig ist und die den Aufwand für die komplexe und teure Verifikation der Transaktionen reduzieren wollen, wird mit privaten Blockchains experimentiert. Hier hat nur ein vereinbarter Kreis von Teilnehmern (z.B. Finanzdienstleister), die sich untereinander vertrauen, Zugriff auf die Daten.

Banken sind deswegen von der Technologie so elektrisiert, weil sie in der Theorie die sogenannten Mittelsmänner abschaffen könnte, von denen es in der Finanzbranche sehr viele gibt. Wichtige zentrale Geschäftspartner, wie Börsen, zentrale Gegenparteien zur Abwicklung von Wertpapiertransaktionen, mehrstufige Zahlungssysteme, Depotbanken, Broker, aber auch manche Geschäftsbanken stehen so auf dem Prüfstand.

Naheliegend ist natürlich die Technologie für Zahlungstransaktionen einzusetzen. Die Bank of England untersuchte jüngst in einer Studie, wie man die Distributed Ledger-Technologie für digitales Notenbankgeld einsetzen kann. Daneben kursieren mittlerweile unzählige Analysen über verschiedenste Anwendungsfälle im Finanzsektor.

Ein mögliches Anwendungsgebiet für Blockchain-Technologie wäre die Transaktionsabwicklung nach einem Wertpapierhandelsgeschäft. Wie manche vielleicht wissen, kann man zwar in Millisekunden Wertpapiere handeln. Die juristisch korrekte Verbuchung solcher Geschäfte dauert aber mitunter mehrere Tage. Zwischen den Handelsteilnehmern sitzen nämlich verschiedene Buchungs- und Verrechnungsstellen (Mittelsmänner), die dafür sorgen, dass die zentral verwahrten Urkunden auch dem richtigen Eigentümer zugeordnet werden. Nach einem Bericht der FAZ unter Berufung auf die Unternehmensberatung Oliver Wyman werden die Kosten der Finanzbranche für das Clearing and Settlement auf zwischen 65 und 80 Mrd. Dollar pro Jahr geschätzt.

Wann setzt die Ernüchterung ein?

Wendet man das Blockchain-Prinzip auf die Handelsabwicklung von Wertpapieren an, dann könnten die Transaktionen innerhalb weniger Minuten, vielleicht sogar Sekunden juristisch bestätigt und abgewickelt werden. Manche träumen davon, dass damit sogar die kostspielige „Handelsabstimmung“ eliminiert werden könne. Sie stellt sicher, dass die Buchhaltung über Transaktionen und Bestände verschiedener Handelspartner tatsächlich übereinstimmt .

Will man etwa die heutige Abwicklung von Wertpapieren und Derivaten in die Blockchain verlagern, müssen viele Voraussetzungen erfüllt werden und Finanzdienstleister und Regulatoren unter einen Hut gebracht werden. Denkbar ist aber auch, dass neue Emissionen per Blockchain getätigt werden. Dazu bedarf es eigentlich nur eines einzigen Dienstleisters. Die erste per Blockchain-Technologie bekannt gewordene öffentliche Transaktion hat im vergangenen Jahr der börsennotierte Online-Händler Overstock.com abgewickelt. Overstock hatte im vergangenen Jahr bei der US-Börsenaufsicht SEC die Emission von Aktien „auf einem kryptografisch gesicherten verteilten Register-System“ angemeldet und arbeitet derzeit an der Einführung von TØ, einer Handels- und Abwicklungsplattform für die US-Börse Nasdaq auf Basis der Blockchain-Technologie (mehr dazu auf Coindesk).

Abgekommen bin ich von der Eingangsfrage, ob „die Blockchain die Welt zu einem besseren Ort“ macht. In der Welt der Serie „Silicon Valley“ spielt die Einhaltung dieses Versprechens keine Rolle. Es soll lediglich Investoren und Publikum neugierig machen. In Wirklichkeit interessiert sich kaum jemand bei den Start-ups für die Verbesserung der Welt, sondern nur für den nächsten Geldgeber. Die Blockchain-Technologie ist unter dem Etikett Bitcoin ebenfalls einst mit einem romantischen Ideal gestartet. Übrig geblieben ist davon nicht viel. Derzeit erreicht das Thema im Gartner Hype-Cycle-Report ein Erwartungshoch. Das ist ein sicheres Zeichen für eine Phase der Ernüchterung. Letztlich geht es bei diesen Erwartungen darum, Transaktionen sicherer, schneller und kostengünstiger zu machen. Zumindest ökonomisch soll die Welt so zu einem besseren Ort werden. Ob das gelingt, ist freilich längst noch nicht ausgemacht.