FinanzevolutionBlockchain mit Milliardenpotenzial

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Erhebliche Vereinfachung für Banken

Die Blockchain-Technologie ermöglicht neben einer automatisierbaren Lieferungs- und Erfüllungskontrolle ebenfalls die direkte Zahlungsabwicklung zwischen Käufer und Verkäufer. Wird einem „Smart Contract“ signalisiert, dass der Lieferant seine Leistung vereinbarungsgemäß erbracht hat, könnte daran ebenfalls automatisiert die Zahlungstransaktion ausgelöst werden. Theoretisch könnte man dabei sogar auf eine Bank dazwischen verzichten, wenn Unternehmen ihre Zahlungsmittel selbst verwalten, wie das schon jetzt bei Kryptowährungen möglich ist. Tatsächlich glaube ich aber, dass die Banken vorerst die Technologie bereitstellen werden, um die Zahlungsabwicklung verlässlich durchzuführen. Aber auch für sie bedeutet die Blockchain-Technologie eine erhebliche Vereinfachung, denn sie könnten die Zwischenstationen (Zahlungsabwickler, Korrespondenzbanken und Clearingstellen) leicht umgehen und nebenbei die Transaktionsgeschwindigkeit deutlich erhöhen. Ein Vorteil für alle Beteiligten, nur nicht für die im Hintergrund arbeitenden Zahlungsabwickler.

Heute liest (siehe beispielsweise diese Kurzanalyse der Deutschen Bank) man täglich irgendwo, dass Banken, Börsen, Kreditkartenfirmen, Clearinghäuser und Versicherer das Potenzial dieser Technologie analysieren. Es nützt dabei freilich wenig, wenn jede Bank an eigenen Methoden tüftelt. Das oben beschriebene Szenario funktioniert nur, wenn sich Realwirtschaft und Finanzwelt auf ein Verfahren einigen und ein einheitliches, möglichst unabhängiges Protokoll (also ein Set von Regeln) existiert. Dahin gibt es zwei, vielleicht auch mehr Wege.

• Internationale Gremien (zum Beispiel die Uno) einigen sich auf ein einheitliches, international anzuwendendes Protokoll.

• Private Unternehmen, Branchenverbände oder Standardisierungsorganisationen entwickeln ein praktikables und akzeptiertes Protokoll.

Blockchain-Technologie spart Kosten

Der Weg zur ersten Variante dürfte noch sehr weit sein. Bis dieses Protokoll juristisch und technisch implementiert ist, werden wohl weitere Jahre vergehen. Dafür wäre dem Verfahren internationale Akzeptanz, große Rechtssicherheit und das Wohlwollen der Regulierer sicher. Gut möglich, dass sich bis dahin schon längst private Verfahren etabliert haben, die aber dann zunächst Insellösungen bleiben. Hier könnten sich über evolutionäre Prozesse die am besten geeigneten Verfahren durchsetzen.

Ist das nun alles heiße Luft? Eindeutig nein, denn festhalten kann man heute schon, dass die konzeptionellen Grundlagen bereits existieren. Die Blockchain-Technologie hat das Potenzial, die Grenzkosten der Vertrags- und Zahlungsabwicklung deutlich zu senken. Es dürfte aber noch einige Jahre bis zu einer breiteren Anwendung vergehen. Andererseits steht die Finanzbranche unter großem Kostendruck. Das Blockchain-Konzept verspricht ihnen ungeahnte Einsparungspotenziale im Backoffice. Aber spätestens dann wird es vermutlich Zeit, die bestehende IT-Infrastruktur grundsätzlich zu erneuern.