KommentarBitte keine EZB-Hysterie!

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europäische Papiere haben Widerstandskraft bewiesen

Nun schrumpft der Verbriefungsmarkt in Europa immer weiter, während er in den USA – quasi der Weltzentrale des Giftmülls – längst wieder wächst und erneut zur Risikotransformation und zum Wirtschaftswachstum beiträgt. Das ist ein makaberer Scherz der jüngeren Finanzmarktgeschichte.

Der Kern des Problems beim Aufkauf von Asset Backed Securities ist daher weniger, dass sich die Notenbank damit pauschal „Giftmüll“ in die eigene Bilanz hebt, denn die europäischen Papiere haben in der Krise Widerstandskraft bewiesen.

Das Problem ist vielmehr, ob es in einem schrumpfenden Markt überhaupt ausreichend Papiere gibt, die sich aufzukaufen lohnen und Bankbilanzen tatsächlich entlasten. Viele von Capital befragte Experten haben das noch im Frühjahr verneint. Für qualitativ hochwertige und gut dokumentierte Verbriefungen – etwa im Wohnimmobilien- oder Autokreditmarkt – gibt es schließlich trotz strenger Kapitalregeln durchaus einen Käufermarkt und da braucht es die Europäische Zentralbank nicht. Fraglich ist darüber hinaus, ob die Banken die Erleichterungen dann auch tatsächlich nutzen, um wieder mehr Kredite an Unternehmen und Privatpersonen auszureichen, was das eigentliche Ziel der Maßnahme ist. Eine pauschale Verunglimpfung ist indes deplatziert.

Einlagenzinsen für den Kunden nicht von Bedeutung

Das betrifft auch das Thema negative Einlagenzinsen, bei der sich selbst Skeptiker die Frage stellen müssen, wieso selbst ein geldpolitischer Hardliner wie Bundesbankpräsident Jens Weidmann mit Negativzinsen kein Problem hat.

Die Maßnahme – die Senkung des Einlagezinsen von 0,1 auf 0,2 Prozent – ist für den Endkunden zunächst nicht von Bedeutung – sie betrifft das Geschäft der Banken mit der Europäischen Zentralbank. Zwar bejammern wir die niedrigen Zinsen, die uns Banken auf unser Guthaben zahlen. Dabei orientieren wir uns allerdings stets an den Nominalzinsen. Eine negative Verzinsung von Sparguthaben und anderen Einlagen – weil die Inflationsrate über der Verzinsung lag – war in etwa der Hälfte der Zeit seit dem zweiten Weltkrieg üblich, ohne, dass dies zu größerem Protest geführt hätte. Aktuell ist es ohne große Mühe möglich, die Inflationsrate von zuletzt 0,8 Prozent mit einfachen Tagesgeldkonten mit starker Einlagensicherung zu schlagen. Das ist zwar eine mickrige Verzinsung, aber immer noch besser als reale Verluste durch die Teuerung.

Drohen auch Sparern nach der Senkung der EZB negative Einlagenzinsen in absehbarer Zeit? Das ist aus einem eher verhaltenspsychologischen Grund eher unwahrscheinlich: Die Menschen erdulden ausweislich der Geldvermögensstatistik klaglos Nullzinsen und nehmen die Teuerung nicht als Verlust wahr. Man spricht auch von der Geldillusion. Sobald aber die Einlagenzinsen unter Null sinken, haben sie das Gefühl, dass ihnen tatsächlich die Bank das Geld aus der Tasche zieht. Eine Massenflucht wäre die Folge – zu anderen Banken oder aber schlicht in das Horten von Bargeld im Safe.

Aus dem gleichen Grund können auch die Einlagenzinsen (und übrigens auch die Renditen von Staatsanleihen) nicht unbegrenzt sinken. Was den negativen Einlagenzins zu einer eher stumpfen, psychologischen Maßnahme macht.

Denn sinkt der Einlagenzins bei der Notenbank zu stark, werden Banken ihr Geld nicht mehr bei der EZB parken, sondern damit beginnen, es in Massen physisch abzuheben und zu lagern, sobald es sich für sie rechnet. In einer sehr groben Näherung haben etwa Analysten von Goldman Sachs im Mai errechnet, dass für das Abheben, Lagern und Bewachen von 100 Mrd. Euro allenfalls 0,5 Prozent Kosten pro Jahr anzusetzen wären – immerhin die bemerkenswerte Summe von 500 Mio. Euro. Die Höhe der Kosten sind die Untergrenze für weitere Senkungen der Einlagezinsen für Banken, zumal sich die Notenbank kaum erlauben dürfte, die Herausgabe des Geldes in Bar zu verweigern, will sie nicht den totalen Vertrauensverlust riskieren.