KolumneBilfingers Bürde

Bernd Ziesemer© Martin Kess

Bernd Ziesemer ist Capital-Kolumnist. Der Wirtschaftsjournalist war von 2002 bis 2010 Chefredakteur des Handelsblattes. Anschließend war er bis 2014 Geschäftsführer der Corporate-Publishing-Sparte des Verlags Hoffmann und Campe. Ziesemers Kolumne erscheint jeden Montag auf Capital.de. Hier können Sie ihm auf Twitter folgen.


In der deutschen Wirtschaft kann man Karriere machen, auch wenn man bei einem Job nach dem anderen versagt. Ein gutes Beispiel dafür ist Eckhard Cordes. Bei Daimler-Benz gehörte der studierte Betriebswirt vor 18 Jahren zu den Drahtziehern der Fusion mit Chrysler, die sich als völlige Fehlinvestition erwies und nach neun Jahren schließlich wieder beendet wurde. In seiner anschließenden Funktion als Vorstandsvorsitzender von Haniel überredete Cordes die Eigentümer des Familienunternehmens zu einem massiven Ausbau des Engagements bei der Metro, das sich anschließend als Milliardengrab entpuppte. Als der Manager schließlich selbst die Chefrolle bei der Metro übernahm, hinterließ er nichts als Chaos.

Nach seinem erzwungenen Abschied bei dem Handelskonzern war Cordes hauptsächlich noch als Vormann des Deutschen Ost-Ausschusses in der Öffentlichkeit präsent. Dort schaffte der höchst selbstbewusste Mann das Kunststück, gleichzeitig Bundeskanzlerin Angela Merkel und den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu verprellen.

Vom Baugeschäft versteht Cordes nichts

Und nun seit anderthalb Jahren also Aufsichtsratschef von Bilfinger. Und die vorläufige Bilanz? Auch dort scheint Cordes der falsche Mann am falschen Platz zu sein. Dem angeschlagenen Konzern fehlt nach wie vor eine Strategie. Seit Monaten diskutieren Vorstand und Aufsichtsrat ohne Erfolg über den Verkauf verschiedener Unternehmensteile, um Geld für die Sanierung herbeizuschaffen. Die wichtigste Entscheidung der letzten Monate endete in einem vollständigen Desaster: Cordes engagierte einen völlig unbekannten und noch dazu völlig branchenfremden Norweger als neuen Chef des Vorstands. Nach nicht einmal zehn Monaten musste der neue Mann wieder gehen. Auf der Hauptversammlung in der letzten Woche bestätigte Cordes umlaufende Gerüchte, sein gescheiterter Vorstandschef habe auch noch überhöhte Reisekosten abgerechnet. Nun sucht der Aufsichtsratschef einen Nachfolger.

Und weiterhin auch eine Strategie. Doch welche Voraussetzungen bringt Cordes dafür eigentlich mit? Vom Baugeschäft versteht Cordes gar nichts, als harter Sanierer musste er sich niemals beweisen. Seinen Nimbus als fähiger Portfolio-Manager ruinierte er bei Haniel, seinen Ruf als Stratege bei der Metro. Mit seiner halsstarrigen Art und seinem wenig ausgleichenden Wesen zeigte sich Cordes im Ost-Ausschuss als unfähig, unterschiedliche Interessen geschickt auszubalancieren. Auch das ist jedoch beim verschachtelten Bilfinger-Konzern gefragt. Wie konnte der Mehrheitsaktionär, die aktivistische Investmentgesellschaft Cevian, ausgerechnet auf einen Mann wie ihn verfallen, der sich doch als eine einzige Bürde für den Konzern erweist?

Darauf gibt es zwei Antworten. Die einfache lautet: Cordes stand als Partner von Cevian abrufbereit zur Verfügung, als bei Bilfinger alles aus dem Ruder lief. Die komplizierte lautet: Cevian vertraut auf die Bereitschaft ihres Mannes, auch die unpopulärsten Maßnahmen knallhart durchzusetzen – bis hin zur Zerschlagung des Konzerns. Einen Ruf hat der Mann schließlich in der deutschen Wirtschaft nicht mehr zu verlieren.

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