Podcast„Bei unserem Wachstum kann einem manchmal angst und bange werden“

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Bastian NominacherCelonis

Celonis wächst seit Jahren rasant, erst im Sommer haben die Gründer 1 Mrd. Dollar für die Expansion eingesammelt. Dieser Tage macht das Münchner Softwareunternehmen Schlagzeilen mit dem Zukauf der Daten-Streamingplattform Lenses.io. Damit können die Kunden nun Daten in Echtzeit analysieren.

Das rasche Wachstum ist für die Gründer selbst manchmal ein wenig überwältigend. „Wir haben bisher nur ein Prozent unseres adressierbaren Marktes erschlossen“, sagte Mitgründer Bastian Nominacher im Podcast „Die Stunde Null“. „Da kann einem fast angst und bange werden, was da noch alles zu tun ist.“ Die Celonis-Technologie könne zahllosen Unternehmen weiterhelfen, ihre Prozesse zu verbessern.

Die Software von Celonis beruht auf dem so genannten „Process Mining“. Nominacher vergleicht das Ganze mit einem Röntgengerät, mit dem Unternehmen ihre Daten durchleuchten, verstehen und Prozesse verbessern können, unterstützt von künstlicher Intelligenz. „Wir haben mit dem Process Mining eine neue Kategorie geschaffen“, sagte Nominacher. Vor einem Jahr hat Celonis die sechste Generation seines Execution Management Systems auf den Markt gebracht. Man habe seitdem „unglaublich positive Reaktionen erhalten“, berichtete Nominacher, der auch Co-CEO ist. „Das war auch der Grund für unsere Finanzierungsrunde, um diese große Nachfrage wirklich zu bedienen.“

Celonis, das einst aus einem Studentenprojekt für den Bayerischen Rundfunk hervorgegangen ist, beschäftigt inzwischen über 1300 Mitarbeiter an 15 Standorten. Zuletzt wurde im Mai 2020 der Umsatz mit über 100 Mio. Dollar angegeben. Gerade erst haben die Münchener eine strategische Partnerschaft mit dem US-Unternehmen Service Now verkündet, das von dem ehemaligen SAP-Chef Bill McDermott geführt wird.

Als Gründer blickt Nominacher auf den deutschen Standort mit gemischten Gefühlen. „Wir haben hier eine exzellente Ausbildung“, sagte Nominacher, der eigentlich die Konditorei seines Vaters übernehmen sollte. „Wir haben sehr gute Universitäten, München ist ein sehr starker Standort. Allein an der TU werden derzeit mehr als 7500 Informatiker ausgebildet. Das ist eine immense Talentbasis.“

Was dem Start-up aber gefehlt habe, sei die Finanzierung: „Jeder von uns hat damals 4000 Euro von dem Studentendarlehen zusammengekratzt“, erinnert sich Nominacher. Man brauche mehr „Ankerunternehmen bei der Finanzierung“. Er kritisierte auch die „sehr hohe Regulierungskomplexität“, die „das Gründen verzögert“. „In anderen Ländern gibt es wesentlich attraktivere Modelle.“

Hören Sie außerdem in der neuen Folge von „Die Stunde Null“,

  • wie Celonis den 10. Geburtstag gefeiert hat,
  • warum Bastian Nominacher nicht die Bäckerei seiner Eltern übernommen hat,
  • woher der Name Celonis kommt.

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