Interview„Bei uns ist jeder Kunde ein Mensch und keine Kontonummer“

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Seit der Krise hat die Bankenregulierung zugenommen. Das trifft vor allem kleine Banken. Auch die Bank in Gammesfeld?

Absolut. Ich muss jetzt im Jahr über 100 Meldungen machen, damit verbringe ich bestimmt 30 bis 40 Prozent meiner Arbeitszeit. Für andere Banken, an die eine Rechenzentrale angeschlossen ist, ist das vielleicht unkomplizierter. Aber ich muss jede Zahl manuell eintippen. Generell ist das ein großer Aufwand, der die kleinen Banken stark behindert und ein Grund dafür ist, dass immer mehr von ihnen verschwinden. Und das ist eigentlich unlogisch. Die kleinen Banken verschwinden aufgrund einer Krise, die die großen Banken verursacht haben.

Die Zinsen sollen auch weiterhin niedrig bleiben. Welche Auswirkungen hat das aufs Geschäft?

Das hat große Auswirkungen auf uns. Die Gammesfelder Bank lebt ja ausschließlich vom Zinsgeschäft. Wir bieten den Kunden nur drei Produkte: Girokonto, Sparbuch und Darlehen. Daraus muss die Bank dann den Ertrag generieren und der schmilzt momentan jedes Jahr, weil der Zinssatz fast bei null ist.

„Ich arbeite hier noch so wie vor 20, 30 Jahren.“

Peter Breiter

Wie steht es eigentlich grundsätzlich um Ihre Bilanz?

Weil die Gammesfelder Bank eine Genossenschaftsbank ist und wir uns strikt an den Genossenschaftsgedanken halten, geht es uns eigentlich sehr gut. Die Genossenschaftsbank soll ja eigentlich gar keinen Gewinn machen und wenn ja, soll dieser wieder an das Dorf ausgeschüttet werden. Natürlich ist das heute bei vielen Banken nicht mehr so. Durch die Regulierung und die Finanzkrisen sind die Vorschriften auch insofern strenger geworden, als man mehr Eigenkapital hinterlegen muss. Das war für uns die letzten zehn Jahre sehr anstrengend. Wir haben das Eigenkapital der Bank mehr als verdoppelt.

Stimmt es, dass Sie in der Bank vollkommen analog arbeiten?

Ja, hier in der Bank ist noch alles sowie vor 20, 30 Jahren. Wir haben zwar einen Internetanschluss wegen der Mailerei mit der Bundesbank und der EZB, aber die Kontoauszüge schreibe ich per Hand. Und es gibt eine uralte Schreibmaschine, auf der ich Überweisungen tippe. Ältere Leute bringen oft nur die Rechnungen mit und ich schreibe dann für sie die Überweisungen.

„Boni gibt es bei uns nicht.“

Peter Breiter

Sind die aufstrebenden Digitalbanken dann überhaupt eine Konkurrenz oder ist der Unterschied zwischen ihnen und der Gammesfelder Bank zu groß?

Man kann das eigentlich nicht vergleichen, wir sind ja das Gegenteil davon – das Aussterbende letztlich. Trotzdem sehe ich sie, was die jungen Leute angeht, schon als Konkurrenz. Bei uns gibt es nichts Digitales. Das ist aber wahrscheinlich die Zukunft und wir könnten an dieser Stelle Probleme bekommen.

Wird es die Bank dann in 20 Jahren überhaupt noch geben?

Das hängt von den Gammesfeldern ab. Solange die Bewohner mit der Bank mitziehen, kann es die Bank auch in der Zukunft noch geben. Vielleicht schätzen die Menschen ja, dass es nur diese drei Produkte gibt und nicht Tausende wie bei anderen Banken. Dort wird alles immer anonymer. Computerprogramme entscheiden, ob man einen Kredit bekommt oder nicht. In Gammesfeld ist das anders, hier ist jeder Kunde noch ein Mensch und keine Kontonummer.

Zurück zu Ihnen. Viele Bankenvorstände erhalten ordentlich Boni. Zahlen Sie sich selbst auch welche aus?

Nein, ich habe noch nie welche bekommen. Boni gibt es bei uns nicht. Ich kriege ein festes Gehalt und das ist es dann.

*Die Raiffeisenbank Gammesfeld ist die kleinste Bank Deutschlands, was das Personal betrifft. Hinsichtlich der Bilanzsumme gibt es noch fünf kleinere Genossenschaftsbanken.