StreitgesprächBayer vs. Grüne: Wie ernähren wir zehn Milliarden Menschen?

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Herr Habeck, Bayer als Entwicklungshelfer, das muss Sie doch freuen, oder?

Habeck: An den Agrarstrukturen sind wir ja nicht unschuldig. Viele Entwicklungs- und Schwellenländer bauen etwa Soja an, das in Argentinien, Deutschland oder den USA an Schweine oder Rinder verfüttert wird. Und wir exportieren dann in diese Länder tierische Produkte. Das macht dort die Märkte kaputt.

Das war jetzt keine Antwort.

Habeck: Also, ich höre Herrn Condons Worte, allein mir fehlt der Glaube. Überall, wo der Westen eingegriffen hat und sich Konzerne beteiligt haben, hat das niemals dazu geführt, dass wir eine kleinbäuerliche Landwirtschaft haben, die der Region nutzt. Am Ende steht immer eine Megastruktur.

Condon: Herr Habeck, Sie müssen es einmal mit eigenen Augen sehen. Sie bestreiten, dass eine Firma wie Bayer und Konzerne allgemein einen Nutzen für die Gesellschaft bringen. Ich sage: Gerade als großes Unternehmen haben wir diese Verantwortung und werden ihr auch gerecht.

Habeck: Ich schaue mir einfach an, was Monsanto in der Vergangenheit in Südamerika gemacht hat. Mir wäre neu, dass die Kleinbauern dort das gutheißen. Da fliegt man mit Flugzeugen über die Felder, wo aus Versehen auch mal ein Indiodorf mit Glyphosat eingesprüht wird. Herr Condon, das sind demnächst Ihre Flugzeuge.

Condon: Ich kann nicht für Monsanto reden. Wir sind Wettbewerber, die fusionieren wollen. Aber das sind nicht „unsere“ Flugzeuge, sondern die von Landwirten oder Dienstleistern. Produkt und Anwendung sind zwei verschiedene Dinge. Wir versuchen, durch Schulung und Beratung die sachgerechte Anwendung unserer Produkte sicherzustellen, und werden das auch in Zukunft verstärkt tun. Und ich sage: Wir werden liefern und uns an Taten messen lassen. Aber ich wünsche mir, dass man uns nicht von vornherein verteufelt.

Sie sind Ire, ist die Debatte in Deutschland denn eine andere?

Condon: Die Deutschen sind schon kritischer. Die Diskussion in Irland und England ist neutraler, hier ist sie ideologisch aufgeladen.

Habeck: Der Ideologievorwurf ist immer von beiden Seiten möglich. Genauso könnte ich sagen, der Marktglaube ist Ideologie, die Pestizidwirksamkeit ist Ideologie. Aber ich gebe zu, dass es so was wie eine falsche Sozialromantik gibt. Auch die Kleinbauern müssen die Chance haben, sich weiterzuentwickeln. Sie haben genauso das Recht wie alle anderen, dass ihre Kinder oder Enkel nicht Jahr für Jahr auf dem Markt stehen und Maiskolben verkaufen, sondern es eines Tages besser haben.