StreitgesprächBayer vs. Grüne: Wie ernähren wir zehn Milliarden Menschen?

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Liam Condon: Der gebürtige Ire ist seit 2016 Mitglied des Vorstands von Bayer und steht an der Spitze der Division Cropscience.
Liam Condon: Der gebürtige Ire ist seit 2016 Mitglied des Vorstands von Bayer und steht an der Spitze der Division Cropscience.

Zusammengefasst: Sie sagen, die Größe ist das Problem, Herr Condon sagt, die Größe ist die Lösung.

Condon: Einspruch! Es geht nicht um Größe, sondern um Vielfalt und Innovation. Schauen Sie, Bayer wäre angesichts der Herausforderungen mit seinem Fokus auf chemischen Pflanzenschutz einfach zu klein. Denn Chemie ist nicht immer die Lösung. Und noch ein Wort zu dem „Roundup für alle“: Glyphosat ist keine Innovation, das Mittel gibt es seit 40 Jahren. Glyphosat ist nicht unsere Zukunft, deshalb übernehmen wir auch nicht Monsanto – sondern weil sie führend bei biotechnologischen Innovationen sind.

Habeck: Ich kenne die Manager von Monsanto nicht, ich unterstelle auch Herrn Condon nichts Böses. In der Logik eines Konzerns aber ist doch immanent, dass er aus Menschheitsgütern, die für alle da sind, Rendite erwirtschaften muss.

Aber können Bayer oder Monsanto überhaupt anders handeln?

Habeck: Nun, sie sind keine Wohlfahrtsunternehmen. Weizen aber ist kein Produkt von Bayer oder Monsanto, sondern der Evolution. Die Konzerne haben es nur verändert, so sind sie immer weitergewachsen – und mit ihrer Marktmacht dominieren sie alles.

Condon: Na ja, es gibt Tausende Saatgutunternehmen, allein in Deutschland einige Hundert. Bayer und Monsanto tummeln sich nur im kommerziellen Bereich – der mit Abstand größte ist nicht kommerziell. Jeder Landwirt kann entscheiden, welches Saatgut er nimmt. Er kann kostenloses verwenden oder für ein Produkt von uns bezahlen – und das tut er nur, wenn er sich einen Mehrwert verspricht.

Habeck: Aber in der Praxis stimmt das nicht. Die Landwirte werden doch in der Regel so ausgebildet und beraten, dass sie nur das chemische Pflügen beherrschen. Es würde eine Generation brauchen, bis sie pestizidfreie Landwirtschaft betreiben können. Deshalb ist jetzt für die Bauern bei der Übernahme von Monsanto die Frage: Entsteht ein Konzern, der allen die Preise und Methoden diktiert?

Condon: Natürlich nicht. Das wollen wir gar nicht, und das wäre auch nicht möglich. Dafür sorgen die Kartellbehörden. Wir veräußern unser Saatgutgeschäft, um Monsantos zu übernehmen, sodass gleich viele Anbieter bleiben. Es gibt viele weitere Auflagen, die potenziell missbräuchliches Marktverhalten verhindern.

Habeck: Das System funktioniert doch so, dass vom Saatgut bis zur Ernte alles auf den Einsatz von chemischen Pestizidprodukten abgestimmt ist. Durch die Übernahme liegt noch mehr in einer Hand, Sie sagen ja selbst, Sie wollen ganzheitliche Lösungen. Der Bauer wird zu einem Bayer-Monsanto-Landwirt. Und das ist nicht die Schuld von Ihnen, Herr Condon – Sie machen nur Ihren Job. Die EU-Kommission als Wettbewerbshüter aber darf die Übernahme nicht genehmigen. (Anm. d. Redaktion: Sie hat die Übernahme inzwischen genehmigt – mit Auflagen)

Condon: Die Wirklichkeit sieht anders aus. Landwirte verwenden in der Regel Produkte von ganz verschiedenen Herstellern.