VorsorgeBaukindergeld verfehlt seinen Zweck

Baustelle eines Hauses
Symboldbild Baufinanzierungdpa

Der Traum vom eigenen Haus ist für viele Deutsche unbezahlbar. Die Bundesregierung will nun mit dem sogenannten Baukindergeld gegensteuern: Union und SPD haben sich darauf geeinigt, Familien beim Immobilienkauf mit einem Zuschuss von jährlich 1200 Euro pro Kind zu unterstützen, und das zehn Jahre lang. Die Einkommensgrenze für die Förderung liegt bei 75 000 Euro pro Jahr, plus 15 000 Euro je Kind. Die staatliche Finanzspritze kostet den Steuerzahler schätzungsweise rund vier Milliarden Euro, verspricht allerdings, weite Teile der Gesellschaft zu erreichen – insbesondere diejenigen, die sich den Traum von den eigenen vier Wänden sonst nicht leisten könnten.

Beim Besitz von Wohneigentum liegt Deutschland im europäischen Vergleich weit hinten. Nur 45 Prozent aller Haushalte hierzulande besitzen ein eigenes Haus oder eine eigene Wohnung. Europaweit sind es rund 70 Prozent. Daran wird auch das Baukindergeld nichts ändern, sagen fast alle Forscher, die sich mit dem Wohnungsmarkt beschäftigen. Ökonomen des Hannoveraner Pestel-Instituts haben jetzt erstmals genau berechnet, wie effektiv das Baukindergeld wirklich sein wird. Das ernüchternde Ergebnis: Der Anteil der Haushalte mit Wohneigentum dürfte mit Einführung der Förderung lediglich um 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte steigen.

Einen Anspruch auf Baukindergeld haben laut Bundesregierung rund 200 000 Haushalte. Doch viele davon könnten sich voraussichtlich auch ohne Staatsgeld eine eigene Immobilie leisten, schreiben die Studienautoren. In der laufenden Legislaturperiode würden gerade einmal rund 15 000 Haushalte allein aufgrund des Baukindergelds von Mietern zu Eigentümern werden. Die Autoren gehen davon aus, dass es zu sogenannten Mitnahmeeffekten kommen wird, dass also vor allem solche Haushalte Baukindergeld beantragen, die ohnehin Wohneigentum gebaut oder gekauft hätten. Die staatliche Finanzspritze stelle deshalb „eher eine spezielle Familienförderung als ausgeprägte Wohnungsbauförderung dar“, so die Forscher.

Das Baukindergeld verfehlt nicht nur seinen Zweck. Es könnte die angespannte Situation auf dem Immobilienmarkt sogar verschärfen und den Hauskauf für Normalverdiener noch schwerer erschwinglich machen, warnt Michael Voigtländer, Immobilienökonom am Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Wie die Eigenheimzulage werde auch das Baukindergeld vor allem den Neubau in Regionen anregen, in denen es nur wenig Bedarf gebe, prognostiziert der Wirtschaftswissenschaftler. Wegen des Mangels an Bauland wird das Baukindergeld in den Ballungsräumen kaum einen Effekt erzielen. Stattdessen dürften die Preise für Häuser und Wohnungen in den Metropolen weiter steigen. Denn die Finanzspritze erhöht die Kaufkraft der Menschen, ohne dass gleichzeitig das Angebot vergrößert wird. Kurz gesagt: Das Baukindergeld pumpt die Preisblase auf dem Immobilienmarkt weiter auf.

Auch der Bund der Steuerzahler hält wenig von der geplanten Eigenheimförderung und spricht sich stattdessen für eine Senkung der Grunderwerbssteuer aus. Präsident Reiner Holznagel rechnet vor: Bei einem Grunderwerbsteuersatz von sechs Prozent zahlt eine Familie mit einem Kind für ein Haus im Wert von 300 000 Euro allein schon 18 000 Euro Grunderwerbsteuer, während sich das Baukindergeld lediglich auf insgesamt gut 12 000 Euro beläuft. „Damit verpufft die Förderung“, sagt Holznagel.

Das Hannoveraner Pestel-Institut fände ebenfalls eine Senkung der Grunderwerbssteuer sinnvoller. Als Alternative zum Baukindergeld plädieren die Studienautoren für die Einführung einer sogenannten Wohneigentumsförderung für finanzschwache Haushalte, ältere Arbeitnehmer und Bewohner von Metropolregionen. Diese sollten vom Staat ein Darlehen mit besonders günstigen Konditionen für die Immobilienfinanzierung erhalten. Voraussetzung: Die Regierung bewilligt den Förderkredit nur für Wohnungen, deren Größe auch für Hartz-IV-Empfänger angemessen ist. „Besserverdiener bevorzugen eher größere Wohnflächen“, schreiben die Autoren. Damit wäre die Förderung für sie uninteressant – und die Subvention würde nur denjenigen zugutekommen, die sie wirklich brauchen.