History-SerieKrise von 1931: Der Bankencrash und der Aufstieg der Nazis

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Deutschlands damalige Situation ähnelt in manchem der heutigen Lage in Griechenland: Wer nach einer kreditfinanzierten Scheinblüte den heimischen Konsum senken muss, auf nervöse Geldgeber im Ausland angewiesen ist und keine eigene Währungspolitik betreiben kann – dem bleibt kaum anderes übrig als harte Austerität. Und die Hoffnung auf einen raschen Schuldenerlass. Alles andere geht nur, wenn die bisherigen Spielregeln radikal über den Haufen geworfen werden.

Brünings Deflationspolitik entsprach letztlich dem üblichen Rezept im System des Goldstandards. Der langsame Verfall der Preise wurde dabei im Alltag längst nicht so sehr als Katastrophe empfunden wie die frühere Hyperinflation. Millionen litten ja unter Arbeitslosigkeit, Lohn- und Sozialkürzungen. Dass vieles billiger wurde, war ihnen willkommen.

Angst vor Inflation

Zugleich aber war die Furcht vor einer neuen Geldentwertung keineswegs überwunden. Auch wenn es heute absurd wirken mag: Während das Preisniveau in Deutschland von 1930 bis 1932 um rund ein Fünftel fiel, kursierten heftigste Inflationsängste. Das Trauma von 1923, als der Schuldner Staat sich sanierte, indem das Geldvermögen des Bürgertums ausgelöscht wurde, lag schließlich keine zehn Jahre zurück. Und die Zukunft war jetzt wieder unberechenbar.

Es schien naheliegend, auf Dollar oder auch Realwerte umzusteigen. Bei einer Massenflucht der Bevölkerung aus der Reichsmark aber wäre das Geld tatsächlich plötzlich entwertet worden.

Wie groß die allgemeine Verwirrung im Land war, hat der Schriftsteller Carl Zuckmayer beschrieben, der sich im Juli 1931 zufällig in Berlin aufhielt und dort Geld abheben wollte. Vor den geschlossenen Banken war er „von aufgeregten, schimpfenden oder jammernden Leuten umdrängt, die um ihre Ersparnisse bangten“. Es sei kein Wunder, notierte er, dass hohle Nazi-Phrasen wie die von der „,Brechung der Zinsknechtschaft‘ von diesen verstörten Menschen begierig aufgesogen wurden“.

Nicht nur die Ärmsten, auch das Bürgertum hatte durch die Krise das Vertrauen in Politik und Wirtschaft verloren. Die Leute fühlten sich im Stich gelassen, schrieb Zuckmayer: „In dem enormen Appetit der Naziführer nach Macht und Gewalt schien für die Durchschnittsdeutschen etwas Gesundes und Kraftvolles zu stecken, das einen Schimmer auf bessere Zeiten verhieß.“

Nur anderthalb Jahre später hieß der neue Reichskanzler Adolf Hitler.